Backstory und Idee
Oktober 2003 ging für mich die Zeit auf der Filmakademie Ludwigsburg los. Ich hab mich schon in den Jahren davor viel dort rumgetrieben, um Praktikumserfahrung zu sammeln, und andere Studenten kennenzulernen, also wusste ich so ungefähr was auf mich zukommt. Ich erwähne das nur, weil in meinem ersten Film an der Akademie einige dieser vorherigen Wegbegleiter ihren Auftritt haben sollten.
Das erste Jahr an der Akademie ist unterteilt in vier Quartale: Regie, Filmgestaltung, Drehbuch und Kamera. Filmgestaltung sollte mein erstes Fach werden und ging im November des Jahres los. Seit den ersten Jahren der Akademie hat dieses Fach Professor Jochen Kuhn inne, der selbst aus einem Kunst-Background kommt und einem somit die Augen für die verschiedensten Film-Formen öffnen will. Wenn es dann an die Projekte geht, ist man völlig frei in der Wahl des Filmes, den man machen will. Es sollte im Vordergrund stehen mit der Film-Form zu experimentieren und nicht gerade einen völlig gewöhnlichen Spielfilm zu machen. Viele versuchen sich in der Zeit an Puppentrick oder anderen experimentellen Formaten und erzielen damit oft beachtliche Erfolge bei Festivals.
Ich hatte „Blair Witch“ nicht im Kino gesehen, war mir aber dank DVD dessen Wirkung und Technik bewusst als ich meine Idee für die Filmgestaltung 1 entwickelte. Allerdings hatte ich nicht so eine besondere Begeisterung für den Film, dass ich genau so etwas machen wollte. Trotzdem erinnerte er mich im Geiste an mein „Monster aus dem Schilf“ und bei einem abstrusen damaligen DVD-Abend (Jahre nach den Ursprünglichen Filmen) mit besten Freunden brachen wir mit unsere Kamera in die nahegelegten Wälder ein, um das Schilfmonster endgültig zu stellen. Bei dem dort entstandenen „Schilf-Monster-Projekt“ sind all meine Freunde verschwunden. Nur die Aufnahmen hab ich noch. Gruselig das ganze… Naja, auf jeden Fall dank diesem Background der vor meinen ersten „ernsthaften“ Kurzfilmen entstanden war, kam mir die Idee für einen Katastrophenfilm, der festgehalten ist von einer realen Kamera, die Betroffen dabei haben, wobei sich die Katastrophe als etwas übernatürliches herausstellt und so die Idee der empfundenen Realität durch Handkamera „ad absurdum“ geführt wird.
Ich schrieb für Prof. Kuhn ein ausführliches Ideen-Papier in dem ich meine filmgestalterische These aufstellte: Ich wollte das Wissen des Zuschauers benutzen um das zu füllen, was ich nicht zeige. Dh man sollte beim sehen des Filmes dazu gebracht werden, diese nie wirklich greifbare Katastrophe im Kopf zu ergänzen, nur um am Ende festzustellen, das alles doch anders war als gedacht. Mich trieb sehr die Idee rum, dass alles was wir sehen immer wieder mit dem abgeglichen wird, was wir vorher schon gesehen haben. Dh wenn ich ein Low-Budget Filmer bin, kann ich manche Sachen geschickt andeuten und der Zuschauer weiß, was gemeint ist, weil er die Bilder dazu eigentlich schon in anderen Filmen oder Beiträgen gesehen hat. Trotzdem oder umso besser wird sich die Story vermitteln.
Zweiter Aspekt für meine Herangehensweise war, dass ich Filme liebe, die Geisterbahnfahrten sind. First Impact sollte eine solche werden wo man von Anfang an in diese seltsame Situation geworfen wird und kaum Verschnaufpause hat, bis man am Ende sieht, was los ist. Die Story war schnell geschrieben und Herr Kuhn goutierte diese bis auf einen Punkt. Er wollte noch einen Twist, etwas das mein beschriebenes Thema auch im Film auf dem Punkt bringen konnte. Denn meine Ursprüngliche Geschichte endete damit, dass die drei Protagonisten auf dem Berg standen und die Alienschiffe über der Stadt sahen. Danach war Schluss. Durch Herr Kuhn kam ich auf die Idee die zweite Ebene einzuführen, in der der Film zurückgespult wird und sich zwei im Off darüber unterhalten, wie das Material so bearbeitet werden kann, dass die Alien-Invasion als Meteoreinschlag an die Öffentlichkeit verkauft wird. Warum? Weil diese mit den Aliens unter einer Decke stecken und so die Invasion vor der Öffentlichkeit verborgen wird. Definitiv wurde die Geschichte damit ein ganzes Stück verworrener, aber mir gefiel dieser Umschwung.
Wie in den meisten meiner Filme stecken hier drin Inspirationen aus japanischen Anime-Filmen und Serien. Hier ist es mein absoluter Favorit, der seine Spuren auf allen meinen Arbeiten zurücklässt: „Neon Genesis
Dort war damit der Meteoreinschlag bezeichnet, der die Saurier aussterben lies. Aber da diese Theorie ja immer noch umstritten ist, konnte mein First Impact hier und jetzt stattfinden, denn die dritte Bedeutung fand sich in meiner Haltung der Akademie gegenüber: Der Film sollte mein erster „Einschlag“ (oder Anschlag?) dort sein und natürlich auch entsprechenden Eindruck machen. Somit war „First Impact“ mein „Erster Eindruck“ den ich zurücklassen würde. Und von da an war klar, was Krystof Zlatnik für Filme macht. Gut, oder? ;-)
Preproduction
Ich wusste schnell, wie ich den Film machen wollte. Eine einfache DV-Kamera musste her, denn der Look sollte ja gerade billig sein. Aber trotzdem wollte ich einen motivierten Kamera-Mann, da die Bewegungen zwar ungeplant aussehen sollten, aber in Wirklichkeit natürlich gut geplant werden mussten. Und da wir schon bei Plänen sind, unterteilt war der Film in Plansequenzen, da ich nur dort schneiden wollte, wo auch die Kamera ausgemacht
Tollerweise hatte ich mich in den Jahren vor meiner Akademie-Laufbahn schon als Praktikant bei diversen Drehs der Ludwigsburger herumgetrieben und einige Studenten kennengelernt. Zu guten Freunden sind bis heute Patrick Gölz, Oliver Timm und Kameramann Marcus Stotz geworden. Ihnen hatte ich einiges zu verdanken also mussten sie auch in meinen ersten Aka-Film rein. Ollie schien wie gemacht für den leblosen Ausdruck des Alien-Clons, wohingegen Padde sich gut als Cutter im First Impact Research Institut machen würde. Meinen Lieblingseinfall hebte ich mir für Stotz auf: Er sollte den Kameramann spielen, aber nicht die Kamera machen. Mit ihm hatte ich vor der Akademie mal ein Musikvideo gemacht und auf die Frage, warum er hier dann nicht tatsächlich auch die Kamera gemacht hat: Er war nicht in meinem Jahr und ich wollte meinem gleichjährigen Kollegen Ralf diese Gelegenheit überlassen.
Dreharbeiten
Für den Dreh wurden 3 Tage einberaumt. 2 für die DV-Aufnahmen und ein weiterer für den Schluss, der ja eine normale Optik haben sollte, und somit zumindest einer besseren DV-Kamera bedurfte. Wir begannen am Bismarkturm Stuttgart mit der Außensequenz, wo an diese Morgen überraschend dichter Nebel aufgezogen ist. Für die Stimmung war dieses Wetter perfekt. Allerdings sah man vom Kessel der Stadt nicht mehr so viel. Ob das für den Effektshot noch gut aussehen würde? Kameramann Ralf musste gleich mal vollen Einsatz zeigen, indem er mehrmals hinter den Schauspielern durch das nasse Gras den Berg rauf rennen musste. Einmal hat es ihn dabei auch richtig schön hingelegt, was für einen beeindruckenden Outtake sorgte. Obwohl die Kamera den Ton natürlich mit aufnahm, wollte ich zu dem „realistischen“ Bild von Anfang an, einen vollen und
guten Ton haben. Würde der Ton dem Umfang einer normalen DV-Kamera entsprechen, wäre er zwar realistisch aber lang nicht so effektvoll. Und da Ton viel unbewusster Arbeitet, als das Bild, war ich überzeugt davon, dass die Kombination funktionieren würde. So waren mir freundlicherweise Regie-Kollegen Daniel Krause und Jean-Baptiste Chuat als Ton-Männer zur Hilfe gekommen und nahmen alles auch mit der Angel auf einen externen Recorder mit.
Für die Szene, wo sie den Berg hoch rannten, durfte Stotz dann auch extra noch mal sein original Gestöhne und Geächze zum Besten geben, um seine Präsenz zumindest im Sound zu haben. Bei der Effekteinstellung musste ich darauf achten, dass der Shot nicht bewegt war. Zu der Zeit waren wir noch nicht so weit mit dem ganzen VFX-Tracking-Kram. Außerdem hatten wir es ja mit lower DV-Qualität zu tun und wenig Zeit. So musste ich mir also den mehr oder weniger logischen Sprung überlegen, dass sie die Kamera grad noch in der Hand halten und dann ablegen, so dass sie zu dritt vor dem Kessel und der Alien-Invasion zu sehen sin. Es wäre natürlich schön gewesen, diesen Übergang aus der bewegten Kamera heraus zu haben, aber der Einfachheit halber hab ich mir mit dem „Filmfehler“-Schnitt beholfen. Von dem Shot haben wir auch ein paar Varianten gedreht, mit den Schauspielern und ohne. Mit bewegt abgelegter Kamera und still.
Danach ging es nach Ludwigsburg wo wir an einem Nebengebäude der PH die Autofahrt erst bei Tag und dann die Ankunft vor dem Bunker (?) bei Nacht filmten. Ich steckte einige Takes in den Anfangseinstellung des Filmes, weil mir wichtig war, dass das Schauspiel so natürlich und ungestelzt wie möglich war. Dann ging es bei Nacht weiter, wo wir eine ganze Anzahl Autos, Nebel und Windmaschine zusammen hatten. Ich wollte noch, dass ihnen so richtig Blätter um die Ohren fliegen, aber dafür war unsere Windmaschine, die eher ein besserer Ventilator war, definitiv zu schwach. Deshalb sieht man in der Szene auch eher plump ein paar Blätter auf die Scheibe fliegen. Beim Aussteigen arbeiteten wir mit unsichtbaren Schnitten im Schwarz. Dadurch, dass wir ja nur den einen Take von der Szene machen mussten und nicht noch andere Einstellungen, ging der Dreh schnell voran. Durch die recht eingeschränkte Perspektive kommt bei dieser Szene auch gar nicht so viel rüber von den ganzen Autos und dem spooky light, aber ich war trotzdem mächtig stolz auf unseren Aufbau. Die analogen Fotos von Fotografen Dominik Apanowicz zeigen, wie cool die Szenerie ausgesehen hätte, wären wir mit richtigen Filmkameras am Start gewesen.
Am zweiten Tag ging es weiter mit den Innenaufnahmen. Diese drehten wir in einem Keller der Filmakademiegebäude, wofür wir vorher ausdrücklich die Genehmigung nicht (!) bekommen hatten. Dank des verschwörerischen Hausmeisters, und dem Umstand, dass es Wochenende war, kamen wir doch rein und konnten die Räume herrichten. Die Ausstattung übernahm Kameramann Ralf so gut wie selber. Viel gab es davon ja nicht. Im Hauptraum, in den sie zuerst kommen, bestand sie vor allem aus den schwenkenden Kegellampen, die auch das einzige Licht spenden sollten. Die Szene mit den Komparsen, die sich aus Mitstudenten und Freunden zusammensetzten, war als erstes an der Reihe. War die Situation erst noch etwas steif hatten die Leute nach und nach immer mehr Spaß daran, die Hauptcharaktere wild anzurempeln. Wir wurden warm. Der Ablauf der Szenen folgte chronologisch dem Script und war vorher von mir schon so genau wie möglich überlegt. So auch der Teil, wo die Kamera auf dem Boden ist. Nur hat es nicht immer ganz so mit dem geklappt, was ich im Bild sehen wollte. So sollte z.B. in dem Shot auch rüberkommen, wie Stotz weggezogen wird. Der Ausbruch am Alien-Clon Ollie vorbei bereitete dann besonderen Spaß, da sich alle wild durchquetschen konnten. Auch hier haben wir es in der ganzen Szene grob gesehen gerade mal mit vier Einstellungen zu tun. Somit war auch der Teil zügig erledigt und die Komparsen konnten wieder los.
Bis dahin war das magere Catering auch größtenteils aufgebraucht, was für wachsenden Unmut meiner bis dahin gut gesonnenen Aka-Freunde sorgte. So wurde im Flur bei Toast mit irgendwas über diverse Filme und Regisseure gefachsimpelt, während wir mit Ralf den nächsten Raum präparierten. Hier sollte Stotz auf die Liege gebunden sein. Es war erst nicht klar, wo das Licht herkommen sollte, und obwohl es keinesfalls logisch war, erschien mir der Platz unter der Liege am interessantesten. Dann testeten wir das „Blut“ für Alien-Clon Ollie. Besonders beeindruckend war der Effekt nicht. Wir hatten nur Milch. Das hätte ich doch besser mal vorher
testen sollen. Ich wollte, dass er so weiß blutet wie die Androiden aus Alien. Tja, wir taten was wir konnten. In dieser Szene kommt die Kamera auf der Seite zum liegen und wird dann von Stotz aufgehoben. Aber auch hier haben sich Stotz und Ralf im Hintergrund die Kamera in die Hand gegeben. Der letzte Teil bestand dann aus der Flucht durch den dritten Gang, in dem einige Leichen lagen. Schön und effektiv der Trick mit dem überstrahlten Ausgang. Dass dieser Übergang so gut mit den Außenaufnahmen aus dem Nebel passt war zwar erhofft, aber doch eine positive Überraschung. Bemerkenswert an der Einstellung, die auch nur aus einem Take besteht, ist das Timing. Wie lange muss Alien-Clon Ollie im Bild bleiben, damit er noch scary erscheint und nicht albern wird? Muss man probieren. Beim letzten wusste ich es. Wir sahen ihn zusammen auf dem kleinen Monitor der Kamera und Ollie gab zu, sich vor sich selbst erschrocken zu haben. Der Drehtag war relativ früh wieder zu Ende, was gut war, denn während die anderen die Nacht vorher noch schön Party gemacht haben fühlte ich mich trotz Ausschlafen völlig erschlagen. Regie führen ist doch ne anstrengende Sache und ich bin mir bis heut noch nicht sicher, was die perfekte durchschnittliche Schlafdauer für Dreharbeiten ist, denn üblicherweise brauch ich viel davon.
Der Dritte tag war entspannt. Das gerade neu eröffnete Lubitsch-Gebäude der Filmakademie gab das Innere des FIRI-Institutes, wo wir einen Schnittraum als... na ja, als Schnittraum benutzen. Ralf konnte die Canon 3chip DV-Kamera eines anderen Drehteams für den Tag bekommen und damit ging es los. Doch was noch fehlte, war ein Schauspieler. Ich hatte immer noch niemanden, der den „Regisseur“ spielen sollte. Hatte nicht jemand aus Spaß gesagt, ich sollte unseren Dozenten Prof. Kuhn mal fragen? Hm... wenn, dann war jetzt der Zeitpunkt dafür. Ich klopfte bei ihm und schilderte meine Anfrage. Etwas geschmeichelt und amüsiert willigte er ein und versprach sich gleich zu uns zu gesellen. Er habe aber nicht viel Zeit. Gut, sehr gut. Seine süffisante Sprechart, hatte mich schon im Unterricht immer amüsiert, also fand ich es perfekt angemessen, dass er den Firi-Regisseur spielte.
Padde war auch da und so begannen wir mit den Sprachaufnahmen des Off-Textes, um dann mit der Szene im Schnitt-Raum weiterzumachen. Dann würde der Gang folgen, wo Alien-Clon Ollie wieder auftaucht, doch wo war Ollie? Nicht da, würde später kommen. Ok, Kuhn musste schnell weg, Ollie nicht in Sicht, ich konnte ihn aber nicht warten lassen. Also überlegte ich mir, wie ich die Einstellungen um Ollie herum bauen konnte. So entstand die etwas seltsame Situation, wo sie an der Ecke stehen bleiben. Naja, es machte ja sowieso Sinn, dass Ollie erst am Ende zu sehen war, aber zu dem Zeitpunkt bereitete mir die Lösung dieses Problems einiges an Kopfzerbrechen. Schließlich tauchte Ollie auf, Herr Kuhn konnte gehen und wir konnten abschließen. Der Film war im Kasten mit genau dem Material was rein sollte. Nichts mehr und auch fast nichts weniger von dem, was ich im Drehbuch geschrieben hatte.
Schnitt und Präsentation
Den Film hatte ich recht zügig zusammengeschnitten. Schließlich gab es auch nicht viel herumzuprobieren. Ein Take gehörte an den anderen und es war nur eine Frage von „wo schneiden“. Einigen kam der Schnitt gerade am Anfang äußerst gut oder unmerklich vor, als hätte ich einen großen Trick verwendet, aber ich empfand die Tricks als geradezu billig und hatte eben gar nicht so viel zu tun im Schnitt. Der einzige Shot, den ich noch nicht reinschneiden konnte, war der Ufo-Shot und die darauf folgenden Rückspul-Aktionen, da diese ja auch den fertigen Shot zeigen sollten. Ich machte mich ans Sounddesign, was ich im selben Premiere-Projekt dazumischte. Dafür bediente ich mich aus dem Soundarchiv der Filmakademie und einer CD mit Sound aus dem „Quake“ PC-Spiel. Mir war wichtig immer viele Schichten und Aktivität im Sound zu haben, da der Film ja gerade das wecken soll, was man nicht sieht.
Mein Konzept war, dass der Film in einem realistischen Stil anfängt, auch was den Titel angeht. Die Filmnummer, die auch im Vorspann kommt, ist die Projektnummer, die der Film von der Filmakademie bekommen hat. Inspiriert war die Idee von Stotz, der seine Regie 1 auch einfach nach der Projektnummer benannt hat. Außerdem war ich äußerst stolz darauf, meinen ersten Film an der Filmakademie zu machen. So unscheinbar wie der Anfang war, so protzig sollte der Schluss werden, denn ab da, wo die Alien-Schiffe im Film auftauchen, verwandelte er sich selbst in eben so eine Geschichte. Mir war sehr bewusst, dass egal wie gut dieser Shot werden würde, niemand würde den Film danach noch sonderlich ernst nehmen. Deswegen fängt er von da an sich selbst aufs Korn zu nehmen und damit die überzeugende Realität zu hinterfragen, die er am Anfang aufgebaut hat (so zumindest mein konzeptionell-hochgestochener Gedanke).
Für die Musik tat ich mich mit Akademie-Musiker Vladimir Martinka zusammen, der sich darauf freute etwas im Genre-Stil zu komponieren. Mir schwebte immerzu die Musik von „Signs“ vor, dessen Filmvorspann ich in Heftigkeit ungefähr entsprechen wollte. Ohne Orchester war die tatsächliche Musik schließlich weniger aufreibend als erhoffte, erfüllte aber gerade in den Szenen vor dem Abspann genau die Funktion die ich mir vorstellte. Das Signal: Hier wird es ein richtiger Film, hier kommt Filmmusik rein, die vorher noch durch Abwesenheit geglänzt hat. Die Abspanngrafiken kamen von Daniel Basle, der TV und Media-Design studierte. Ein Studiengang, den es inzwischen nicht mehr gibt. Für den letzten Abspann steuerte mein guter Freund Henrik Brislow noch einen HipHop Beat zu. Er war zu der Zeit Teil einer HipHop Combo Namens 2hoch4, für die ich vormals schon zwei Videos gedreht hatte und gleichzeitig auch der Kerl, der im Bunker auftaucht und nach einer Zigarette fragt.
Nachdem ich also die letzten Elemente kurz vor knapp zusammen hatte, besuchte ich Hannes, um nach dem Alien-Shot zu sehen und... kippte aus den Latschen. Hannes hatte nicht nur seltsam weibliche Raumschiffe kreiert die, wie er sagte, auf Modellen aus Babylon 5 basierten, sondern dazu auch einen Jet, der über die Köpfe der Protagonisten rauschte, Gebäude die durch den Beschuss umfielen und dazu Explosionen... ich war begeistert. Naja, über das Desing der Schiffe hätte ich vielleicht noch mal geredet, aber es war keine Zeit mehr. Hannes hatte auch schon selbst Soundclips zu der Sequenz gemischt, also nahm ich diese mit und baute sie in meinen Schnitt ein. Ich war nie ganz zufrieden mit den Überflug und Schussgeräuschen, da ihnen im Gegensatz zum Rest der Druck fehlte, weil er wahrscheinlich geringer aufgelöste Effekte verwendet hatte. Aber für weitere Sachen war keine Zeit mehr. Am nächsten Tag sollte interne Präsentation sein, und zwei Tage darauf die externe und damit öffentliche. Aber eine Sache fehlte noch. Ich überspielte den Film auf DV-Tape und davon auf eine VHS-Kasette. Dann stellte ich die DV-Kamera vor den Fernseher und begann das Material für die Rückspulsequenz zu filmen. Das noch schnell in den Film rein und dann, fertig.
Ich präsentierte den Film am nächsten Tag der Klasse. In der Fassung hatte ich vor dem Reveal der Aliens noch ein lange Schwarz-Pause. Ich wollte, dass man enttäuscht denkt, der Film sei dort schon zu Ende und dann in die Überraschungseinstellung bringen: Ah, Aliens! Außerdem positionierte ich noch zwischen den zwei Abspannteilen und am Ende des Filmes einen Outtake. Die Lautstärke des HipHop Beats am Ende zerriss fast die Boxen des Fernsehers. Diese Änderungen sollte ich noch machen. Beat leiser, Pause weg und Outtakes raus. Sonst kommt es einem vor, als hätte der Film zu viele Enden und das würde nur unnötig verwirren. In der Klasse brach eine Diskussion darüber los, wie realistisch sich denn meine Protagonisten ob der scheinbaren Katastrophe verhalten würden. Der Tenor war, dass sie zu wenig Panik haben.
Also ich würde ja nicht sagen, dass ich bei dem Film das Beste an Schauspielerischen Möglichkeiten herausgeholt hab, aber ich war überzeugt davon, dass wir in einer echten Katastrophe eher relativ funktional agieren und nur wenige übertriebene Panik zeigen. Die kommt erst hinterher. Von daher entsprach die Führung der Schauspieler schon dem, was ich wollte. Also machte ich noch die letzten Änderungen und dann stand die Präsentation an. Filmgestaltung 1 gibt es immer morgens ab 9 und mein Film kam schon als zweiter. Ich wollte lieber später laufen, da ich mir ein volleres Haus versprach, aber das war das Programm das sich Herr Kuhn wohl dramaturgisch so überlegt hat. Auf der Leinwand verfehlte der Film samt druckvollem Sound nicht seine Wirkung. Das Publikum war beeindruckt und mein „First Impact“ geglückt. Von da an war meinen Kollegen sehr schnell klar, was ich für Filme machen wollte. Das war mir nur recht, denn wenn man sich schon eine Schublade aufmacht, dann zumindest eine, in der man auch sein will. Prof. Kuhn belohnte mich am Ende des Quartales mit einer glatten 1. Wie konnte er auch anders, schließlich hatte er mitgespielt.
Nachtrag
Als die ersten Trailer von Cloverfield raus kamen, sprachen mich einige Leute auf dem Aka-Hof auf die Ähnlichkeit zu „First Impact“ an. Einige überlegten sogar ernsthaft, ob die Idee vielleicht tatsächlich geklaut wurde, was ich aber für Unsinn halte. Es ist seit Blair-Witch nichts Neues, in diesem Dokumentar-Stil einen Spielfilm zu machen. Nur wird es üblicherweise nicht gemacht, weil die Idee, alles aus der Perspektive einer echten Kamera zu zeigen, so spezifisch ist. Wenn du es machst, verweist jeder auf Blair-Witch und in Zukunft auf Cloverfield oder Rec. Ich denke Cloverfield stellt die perfekte Umsetzung der Idee dar.
Der Trailer baute auch genau auf dieses Ding: Es fängt an und du denkst, es sind Aufnahmen einer irgendwie gearteten Katastrophe. Und im Film kommt raus, sie ist übernatürlich: ein Monster das die Stadt bedroht. In einem 90minüter verkommt die Idee meiner Meinung nach aber bald zu einem Gimmick. Am Anfang ist es umso packender, da die Aufnahmen pure Realität vorgaukeln, aber mit der Zeit tritt dieser Effekt zurück. Denn wenn ich einen Film mit normaler Auflösung schaue und er mich packt, dann vergesse ich irgendwann wie er aufgelöst ist. Der Regisseur zeigt mir, was ich sehen soll und es steht kein Stil-Element zwischen mir und dem Bild.
Ich hab vor kurzem gelesen, dass sie Cloverfield 2 machen wollen, ihnen aber die Ideen fehlen und sie noch Autoren suchen. Tja, das ist das Problem, du kannst den Selben Gag nicht einfach noch mal machen. Wo soll die Fortsetzung somit hingehen? Ein normaler Film? Wahrscheinlich, aber das war Blair-Witch 2 auch und ist damit voll in die Hose gegangen. Ich freu mich immer noch, wenn First Impact gesehen und gemocht wird. In diesem Sinne danke ich Hackermovies dafür, dass sie den Film am Leben halten, und Euch für das Interesse. Macht Filme und macht euch die Einschränkungen zu nutze. Inzwischen stehen einem so viele Mittel offen um eure Geschichten zu erzählen. Ich hab mir auch gesagt, falls ich keinen bezahlten Film „da draußen“ gemacht kriege, dann schnapp ich mir die DV-Kamera und mach es wieder klein. Wozu Licht und der ganze Kram, der das Drehen so mühselig macht? Ich vermisse die Einfachheit und Direktheit der frühen Filme.
Beste Grüße, Krystof Zlatnik, 6. Mai 2009


Eine Idee für Cloverfield 2: Eine Versio aus der Perspektive eines Reporters mit Kameramann. Dann dürfen die Aufnahmen quasi besser sein und man könnte mehr Schnitte reinbrigen. "Copyright Der FONZ"
Diese Version hatte ich mal angefangen, aber nie zuende geführt.
Übrigens interssanter Text.
11:31
...QUARANTINE...
12:13
Danke für den ausführlichen Bericht, lese immer gerne sowas !
14:20
Zitat: >>Ich vermisse die Einfachheit und Direktheit der frühen Filme.<<
An diesem Fazit ist was dran, aber in letzer Konsequenz soll es wohl nicht gedacht sein :-)
Der Film hat mir - gerade auch in seiner Chronologie zu Blair Witch und Cloverfield - gefallen. Vor allem weil auch eine sachlich, kritische Auseinandersetzung mit den "großen" Filmen dieser Art statt findet.
09:02
Sehr gutes Making Of!
War wirklich nen verdammt interesannter Dreh und jetzt zieh ich mir den Film rein.
(Ich steh ja auf solche Art von Filme) Weiterhin so gute Arbeit! Grüße, David
13:01
marcus stotz rulez!
14:51