ITFS & FMX 2006
Das Festival und die Konferenz im Doppelpack – eine Kombination, die es von nun an jedes Jahr geben wird, da das Trickfilm-Festival aufgrund der starken Resonanz und den überbordenden Einreichungen auf einen jährlichen Rhythmus wechselt. Der Übergang zwischen den beiden Events war fließend Die Preisvergabe des ITFS endete zwar mit der offiziellen Eröffnung der FMX , doch auch schon während des Festivals wurden VFX-lastige Filme wie „King Kong“ und „Der König von Narnia“ als Sonderscreenings in den Kinos wiederaufgeführt, und später gab es im Haus der Wirtschaft neben dem üblichen mannigfaltigen Angebot zum Thema Animation u.a. auch eine Retrospektive von Oscar-Gewinner Chris Landreth zu sehen oder das Making Of der ITFS-Trailer, welche das Ludwigsburger Animationsinstitut erstellt hat.
Beim Trickfilm-Festival gab es jedoch noch weitere weitaus tiefgreifendere Änderungen als die Kooperation mit der FMX. Als Spielstätten konnte dieses Mal vom neuen Organisationsteam die direkt im Stuttgarter Stadtzentrum gelegenen Innenstadt-Kinos gewonnen werden, eine OpenAir-Leinwand wurde am benachbarten Schlossplatz aufgestellt und zusätzlich auch noch das Caligari-Kino in Ludwigsburg mit einbezogen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – ein Plus von etwa 50% an verkauften Tickets wird wohl dafür sorgen, dass das gewachsene Festival auch nächstes Jahr diesen Kurs beibehalten wird.
Ähnlich erfolgreich postierte sich die nun komplett in Englisch gehaltene FMX – ca. 5.000 Besucher aus aller Welt waren zugegen und konnten sich aus 300 Seminaren, Panels und Workshops ihr persönliches Programm zusammenstellen. Trotz des Zuwachses um 40% wirkte es aber weniger überfüllt als im vorherigen Jahr, was wohl an den zusätzlichen Veranstaltungsräumen und dem ausgewogenen facettenreichen Angebot lag.
Neben den drei Themenreihen „Digital Cinema“, „Focus on Asia“ und dem „Virtual Humans Forum“ gab es wie jedes Jahr eine bunte Mischung für allerlei Interessen, sei es nun die VFX der Hollywood-Blockbuster, das Ausprobieren neuer Eingabegeräte und Programmversionen oder die neuesten Entwicklungen im Echtzeit- und Gamesbereich. Ein wichtiger Pfeiler der FMX ist auch das Networking und Recruiting, Digital Artists hatten Gelegenheit sich über nationale und internationale Unternehmen und ihre jeweiligen Projekte und Profile zu informieren und auch gleich Kontakte zu knüpfen. Dass der Wind aus Osten stärker wird, war auch hier zu spüren, als die indische Firma Pixion Ausschau nach Interessenten für ihr erst kürzlich gegründetes Animationsstudio hielt, welches im Boomland am Hindus, wo jedes Jahr 700 Filme hergestellt werden, am Ende auf 250 Mann aufgestockt werden soll. „It’s all about the numbers“ – doch auch chinesische VFX-Häuser beginnen angesichts der immer größer werdenden Konkurrenz im eigenen Land verstärkt auf Qualität und technologische Entwicklung zu setzen anstatt nur auf die reine Manpower.
Dass Umfang nicht alles ist, zeigte sich auch teilweise beim Programm. Ein wenig enttäuschend war es schon, dass einige der Seminare recht oberflächlich gehalten waren, so gab es bei dem mit Spannung erwarteten zweistündigen Auftritt von Weta Digital z.B. nur haufenweise Videoclips vom (großteils bereits mehr oder weniger bekannten) Entstehungsprozess von Kong und dem digitalen New York zu sehen, und dagegen unvollständigerweise keinerlei Informationen bezüglich der Realisierung der beeindruckenden Schiffssequenzen. Ebenso hat man einen Repräsentanten von „Krieg der Welten“ oder „Star Wars – Episode III“ vermisst, und auch vom französischen Animationsfilm „Renaissance“ , welcher von einem eigens entwickelten Motion-Capturing-Verfahren für Augenbewegungen Gebrauch macht, hätte man gerne mehr gesehen als nur den Trailer. Auch bei CA Scanline hielt man sich sehr zurück, obwohl es nicht mehr lange bis zum Start von Wolfgang Petersens „Poseidon“-Remake ist, durfte scheinbar leider kein Material gezeigt werden. Anders Elektrofilm Hier erhielt man Einblicke in die Entstehung der digitalen Tornados für den gleichnamigen Teamworx -Eventfilm und durfte auch erste Ausschnitte sehen. Besonders offenherzig zeigte man sich bei den Vorträgen von unexpected , hier wurden immer wieder mal gerne auch die kleinen und oft witzigen Tricks und Kniffe aus der VFX-Zauberkiste verraten, ob nun Flughafengäste aus dem „Racing Beats“-Spot für „Die Sturmflut“ wiederverwertet, geschwind ExtraFootage-Dreharbeiten mit Bäumen und Polizisten aus der näheren Umgebung organisiert oder flache Bluescreen-Aufnahmen zur überfliegenden 3D-Kamera einfach mitgedreht wurden.
Weniger Einblicke aber dafür umso mehr visionäre Impressionen gab es auf dem Trickfilm-Festival. Es ist natürlich nicht möglich und auch nicht sehr sinnvoll die unzähligen animierten Werke textlich wiederzugeben, man kann nur festhalten, dass es an humorvollen, verstörenden und innovativen Kreationen nicht gefehlt hat. Neben den zahlreichen Kurzfilmen in den Wettbewerben gab es auch Langfilme, sowie Diskussionsrunden mit bekannten Größen. So konnte man z.B. den russischen Filmemacher Konstantin Bronzit ausfragen und hatte die Gelegenheit japanische Animes wie „Ghost in the Shell 2“ und „Steamboy“ in deutschen Kinos zu sehen, welche hierzulande wohl auch weiterhin keine Wide Releases erfahren werden. Von den vorgestellten Animationshochschulen konnte dieses Mal vor allem die Supinfocom Valenciennes/Arles brillieren. Viele der französischen Studentenfilme konnten besonders überzeugen, und der große Gewinner war dann auch „Overtime“ von Oury Atlan, Damien Ferrié und Thibault Berland – ein in Schwarzweiß gehaltenes, mit schwerer Orchestermusik unterlegtes morbides Mini-Melodram in welchem Handpuppen den Tod ihres Schöpfers nicht verstehen und daraufhin versuchen das Leben mit dem Leichnam fortzusetzen. Die stilistische Brillanz des relativ handlungsfreien Kurzfilms überzeugte die Jury, so dass er nicht nur im Bereich „Young Animation“ (2.500 EUR) sondern auch den Förderpreis in Höhe von 10.000 EUR erhielt – die Macher, welche derzeit daran sind das ganze zu einem Langfilm auszubauen, wird die ordentliche Finanzspritze sicherlich freuen. Die beiden anderen Hauptpreise der Jury (je 7.500 EUR) gingen an das sperrig-seltsame Familiendrama „Milch“ (USA/RUS) und das verrückt-abgedrehte „City Paradise“ (GB). Den mit 12.000 EUR höchstdotierten SWR-Publikumspreis räumte Jan-Peter Meier von der Kunsthochschule Kassel für sein „Ego Sum Alpha Et Omega“ ab.
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Links „Overtime“, „Milch“ & „City Paradise“
Rechts „The Mysterious Geographic Explorations of Jasper Morello„, „Ryan“ & „Ego Sum Alpha Et Omega“
Kein Geld, aber Auszeichnungen und Trophäen gab es auch auf der FMX im Rahmen des offenen animago-Wettbewerbs, grob aufgeteilt in die drei Kategorien „Home“, „Education“ und „Professional“, wobei erstere dieses Jahr erschreckenderweise sehr mager ausgefallen ist – nur eine einzige Produktion hielten die Veranstalter für qualitativ hochwertig genug, um sie auch bei der Preisgala vorzuführen. Dafür gab es bei den anderen beiden Bereichen sehr viele beeindruckende Leistungen zu sehen – der Hauptpreis ging am Ende aber dann an das „Schwarze Schaf“ aus dem GEZ TV-Spot von Spans & Partner aus Hamburg. Eine kleine Ungeschicktheit leistete man sich jedoch beim 3. Platz, als CA Scanline und unexpected für ihre jeweiligen „Sturmflut“-Leistungen gemeinsam prämiert werden sollten, dann aber nur eine einzelne Trophäe bereit stand, und per Münze entschieden werden musste, wer sie mit nach Hause nehmen durfte. Inzwischen hat man jedoch eingesehen, dass es besser wäre beiden Firmen jeweils eine Trophäe zu verleihen – und ein weiteres Exemplar in Bestellung gegeben )
2007 wird man sich jedenfalls wieder auf 10 hochinteressante Tage in Stuttgart freuen können – wenn man es denn schafft sich so viel Zeit frei zu nehmen ;)
Huan Vu




Und ich Idiot bin net hingegangen... :/
20:45