Das Sounddesign zu Combatant

Steffen

Steffen

Editor, Moderator, Administrator, 5329 Beiträge seit Okt'01
VFX Supervisor, Director
Unexpected GmbH   Stuttgart
Artikel von Steffen am 08.11.2001
 ...
Keines
Ein Interview mit dem Sounddesigner Christian Halten, Filmakademie-Student im Bereich Filmmusik/Sounddesign und Besitzer der wohl coolsten Soundhardware in ganz Baden-Württemberg ;-)


  • Was war das Besondere an Combatant im Hinblick auf Sounddesign und im Hinblick auf Musik?

    Combatant lebt natürlich von den vielen spektakulären Visual FX. Bei diesen Einstellungen sind im Original - wenn überhaupt - nur O-Töne vom Drehort vorhanden. Daher ist es wichtig, dass man mit dem Soundtrack in der Postproduktion beide Bildwelten, nämlich die reale und die computeranimierte, miteinander vereint, so dass der Zuschauer den Eindruck bekommt, alles sei real. Musik- und Soundmischung wurden für Combatant von Beginn an im 5.1 Surroundsound-Standard angelegt. Dadurch ergaben sich soundtechnisch sehr viele Möglichkeiten, die handlungsgebundene "Action" auch durch den Ton rüberzubringen.

  • Wie sieht das generelle Sound-/Musik-Konzept für Combatant aus?

    Das Genre des Films ist "Action" und es gibt 2 Figuren, die Kämpferin und den Mech-Warrior. Es ist der klassische Konflikt zwischen Mensch und Maschine, diesmal auf eine sehr packende und direkte Art verfilmt. Im Sound stehen sich daher vor allem menschliche Geräusche wie Atmen, Laufen, Schreien, etc. auf der einen Seite und Maschinenhaftes, beispielsweise Hydraulik- und Druckluftgeräusche, auf der anderen gegenüber. Während zum Beispiel die Kampfläufer in "The Empire Strikes Back" sich eher in Zeitlupe bewegen, soll in Combatant der Mech-Warrior zwar groß, aber sehr schnell und wendig wirken, außerdem wesentlich aggressiver. Die Bedrohung durch den Ton soll auch ohne Bildunterstützung funktionieren.




    Christian bei der Arbeit
    Christian bei der Arbeit

    In der Musik finden sich ebenfalls Elemente von Mensch & Maschine. Dabei habe ich unter anderem eine verzerrte E-Gitarre eingesetzt, die teilweise an menschliches Schreien erinnert. Der harte Elektro-Beat unterstützt dabei die Bild- und Schnittdynamik.

  • Was sind die Motive und Wiederkehrenden Elemente, und was sollen sie bewirken?

    Beim Sounddesign soll vor allem die Art, wie sich der Mech-Warrior bewegt, charakteristisch sein. Auf der Soundseite variieren diese Bewegungen in Ausdruck und Sounddichte. Zischende Luftgeräusche stehen dabei für Aggression. Das Geräusch einer Stahlpresse wurde im Sounddesign zum Aufteten des Mechs. Die bassgewaltigen Gehgeräusche des Mechs stehen aber auch für die Monotonie der Maschine. In der Musik gibt es durch beispielsweise die E-Gitarre ebenfalls wiederkehrende Motive, die vor allem zur Spannungs- und Temposteigerung eingesetzt werden.

  • Worauf liegt der Hauptaugenmerk?

    Beim Sounddesign ist es sehr wichtig, Detailarbeit zu leisten. Mehrfache Klangschichtungen, extreme Geräuschgewalt und ein trotzdem durchsichtiger und direkter Sound stehen im Vordergrund bei Combatant.

  • Wie lief die Zusammenarbeit ab?

    Die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Steffen Hacker war beispielhaft und hat sehr viel Spaß gemacht. Ich hatte alle Freiheiten, mich im Soundtrack auszutoben. Schon frühzeitig habe ich Bänder mit ersten Filmaufnahmen gesehen und konnte mir ein Bild von der Atmosphäre machen. Als ich dann die ersten FX-Szenen gesehen habe, war ich wirklich geplättet. Die Produktion des Filmsounds wurde in der Kürze der Zeit nur möglich mittels Internet, denn Steffen hat mir die Filmsequenzen oft in komprimierter Form zugemailt, sobald sie fertig waren. Während ich an Musik & Sounddesign saß, hat Steffen gleichzeitig gerendert, composed und geschnitten. Auf jeden Fall eine sehr futuristische Produktion auf allen Ebenen!

  • Wie lief die Arbeit zeitlich ab? ;)

    Tja, eigentlich sollte man sich für so eine Produktion "mal ein Jahr Zeit" nehmen. Aber an der Filmakademie ist das durch die Lehrpläne im 1. Studienjahr nicht möglich. Die Arbeitskurve stieg auf jeden Fall überexponentiell an. In der letzten Woche vor der Präsentation waren Steffen und ich fast 24 Stunden am Tag/Nacht mit Combatant beschäftigt, so dass Steffen um ein Haar die Premiere verschlafen hätte.

  • Wie bist Du beim Sounddesign vorgegangen, wie kamen die Ideen?

    Ich bin großer Sci-Fi-Fan, aber da bekommt man leider ziemlich selten mal einen Film in die Hände, für den man Musik und Sound machen darf. Steffens Film hat mich direkt inspiriert. Ich habe mit dem Sounddesign angefangen und mir vor allem viele Maschinengeräusche und Kampfgeräusche rausgesucht und die dann mit Synthesizern und Samplern bearbeitet, bis sie sich alle fast wie von selbst in einem Puzzlespiel zusammenfügten.

  • Welche Resourcen wurden verwendet?

    Für das Sounddesign wurden sowohl Geräusch-CDs, wie auch O-Ton und synthetische Sounds eingesetzt. Die bearbeiteten Klänge habe ich dann mit Nuendo von Steinberg auf einem Pentium III PC synchron zum Bild angelegt, für das Pitch-Shifting und Timestretching der Sounds kam Samplitude zum Einsatz. Die Mischung erfolgte über 2 Yamaha 02R Digitalpulte.

  • Welche technischen Schwierigkeiten ergaben sich?

    Vor allem die Mischung des kompletten Soundtracks mit Sounddesgin und Musik gestaltete sich ziemlich schwierig, da hier mehrere sehr dichte Tonschichten übereinander liegen. Damit sich alles homogen zusammenfügt, wurde sorgfältig an einer ausgewogenen Frequenzverteilung gearbeitet.





    Arbeits- und Wohnzimmer zugleich...

    Beispielsweise wird die Bassdrum in der Musik im unteren Bassbereich zurückgenommen, um nicht mit den ultratiefen Auftret-Sounds des Mech zu kollidieren.

  • Was ist in Combatant alles nachvertont und fällt unter Sounddesign?

    Der komplette O-Ton ist nachbearbeitet und überall schon mit neuen Atmos und Geräuschen versehen, so dass dieser für sich gesehen schon sehr dicht und ausdrucksstark klingt. Darüber kommen dann die Mech-Geräusche und Atmos, die komplett in der Audiopostproduktion entstanden sind.

  • Wie greifen Musik und Sounddesign ineinander? Gibt es Konkurrenz oder Verschmelzung?

    Das Sounddesign liefert in erster Linie den "Realismus", den man von einem Action-Film erwartet. Idealerweise soll die Musik dabei das Tempo und die Stimmung unterstützen und nicht gegen das Sounddesign ankämpfen. Dichte des Arrangements und Songtempo hängen oft mit dem entsprechenden Sounddesign zusammen. Sowohl bei der Gestaltung des Sounds wie auch bei der Komposition der Musik muss man ständig darauf achten, für den "Partner" noch ein paar Frequenzbänder frei zu lassen. Im Idealfall fügt sich dann die Musik sehr homogen ins Klangbild und löst zusammen mit dem Sounddesign beim Zuschauer direkte Emotionen aus.

  • Wie war der technische Arbeitsablauf, d.h. wie gehst Du beim Sounddesign vor?

    Zuerst wird eine Timecodekopie vom Videoband bzw. von der Datei gezogen, die dann synchron zum Computer läuft. Danach wird der O-Ton digitalisiert und als Basis ans Bild angelegt. Danach beginnt das Zusammenstellen der zusätzlichen O-Ton Sounds, die ich sowohl durch Bearbeiten und Aufnehmen von Natursounds oder aber von Geräusch-CDs nehme. Die Geräusche werden dann teilweise verfremdet und die charakteristischen Frequenzen herausgearbeitet. Das kann sowohl über Audio-PlugIns wie auch durch analoge Filter von Synthesizern erfolgen. Oft haben die Geräusche in der Grundform noch wenig mit dem späteren Resultat zu tun. Hier ist viel Abstraktion und Hörerfahrung gefragt. Schließlich werden die bearbeiteten Sounds geschichtet und dann im entsprechenden Audioprogramm synchron zum Bild angelegt und eventuell schon im Surroundmodus auf die Lautsprecher verteilt.

Antworten

5.1 mit welcher Software?

Eine Frage Welche Software benutzt du zum Abmischen in 5.1-Surround?
(also zum Verteilen auf die einzelnen Environement-Kanäle?)

#
08.11.01
19:03
Pawel
Pawel

6. RE 5.1 mit welcher Software?

Hallo!
Ich benutze für die Mischung in Surround zwei 02R-Pulte von Yamaha. Die Sounds wurden aber in Nuendo von Steinberg vorbereitet und szenensynchron angelegt und dann über 2 Mehrkanalkarten auf die Kanäle der Pulte verteilt.
Viele Grüße,
Christian Halten

#
09.11.01
12:02
Gast
Gast (nicht überprüft)

2. RE 5.1 mit welcher Software?

Hey Christian,

kann Nuendo (oder eine vergleichbare SW) 5.1 schon "nativ", ich meine, kann man mit einem zweidimensionalen Steuerelement die Position eines Kanals im Sound regeln, oder mit entsprechenden Kurvenverläufen? Oder muss man für jeden 5.1 Sound 6 Mono-Spuren benutzen, und manuell abmischen?

Jede DirectSound-fähige mehrkanal-Karte müsste ja unterstützt werden, oder? Ich denke da an die neuen nForce Board, die Dolby Digital 5.1 in Echtzeit encodieren und auf SP/DIF ausgeben können...

Daniel

#
09.11.01
13:45
daniel
daniel

3. RE 5.1 mit welcher Software?

Naja, richtig "No Budget" ist das ja leider nicht -((
Gibt es nicht irgendwie eine Möglichkeit, Surround rein softwaremäßig abzumischen (muss ja nicht gleich DD 5.1 sein...irgendeine einfach 4-Kanal-Lösung würden ja völlig reichen)?

#
11.11.01
17:51
Chris
Chris

4. RE 5.1 mit welcher Software?

ich bin mir jetzt nicht sicher, aber ich glaube mal auf ner verpackung von cubasis 3 diese 4-kanal-lösung gesehen zu haben. doch dann ist das problem, mit welcher software nehme ich den surroundsound auf? also es müsste eine software sein, die ac3-dateien erstellen kann. ausserdem noch ne frage kann premiere ac3-dateien oder andere suround-dateien einlesen? weil wie soll man den sound sonst in ein video einbinden können? fragen über fragen, wer ist hier der master? )

#
12.11.01
15:07
BigBen
BigBen

5. RE 5.1 mit welcher Software?

Man kann ja in Premiere den Sound schon mal fertig auf vier (bzw. fünf) einzelnen Audiospuren verteilen.
Für jeden Kanal also eine Audiospur, zwei für Front, zwei für Rear und eventuell noch eine für Center.

Jetzt bräuchte man nur noch ein Programm, mit der man diese einzeln exportierten Stereo-WAVs auf vier (bzw. fünf) Kanälen im Raum platzieren und das Ergebnis als AC3-Datei exportieren kann.

Ist das was, das mit mit Cubasis machen kann?
Oder kennt irgendjemand eine Software, mit der das geht?

#
13.11.01
08:47
Gast
Gast (nicht überprüft)

4. RE 5.1 mit welcher Software?

Hallo Chris,
von 4-Kanalsurround möchte ich dir abraten, weil die Kanaltrennung und die Klangqualität beim weitem nicht den 5.1 Standard erreichen.
Softwaretechnisch kannst du mit Programmen wie Nuendo, Samplitude, Logic Audio oder ProTools auf 5.1-Basis arbeiten.
Viele Grüße,
Christian

#
13.11.01
13:58
Christian Halten
Christian Halten

3. RE 5.1 mit welcher Software?

Hallo Daniel,
ja, das ist möglich. Du arbeitest im Prinzip mit Monokanälen, die im virtuellen Raum verteilt werden und deren LFE(Bass)-Anteil geregelt wird. Danach kann man das ganze entweder über eine Mehrkanalkarte ausgeben oder encoden.
Gruß,
Christian

#
13.11.01
13:54
Christian Halten
Christian Halten

cinema 4d als "soundmaker"

in cinema 4d kann man auch dolby-surround-sound generieren, indem man die soundquellen einfach an gewünschte postionen verteilt und diese dann abspielt. jedoch weiss ich nicht in welches format man das abspeichern kann. der vorteil man kann sich sein film in den hintergrund legen und den sound visuell positionieren. wer weiss da mehr drüber?

#
13.11.01
16:46
BigBen
BigBen

4. RE 5.1 mit welcher Software?

Hi Christian,

vielen Dank für die Antwort...das war ganz genau das was ich gesucht habe!

Noch rein interessenshalber Worin liegt dann eigentlich der große Unterschied zwischen der Ausgabe als .ac3-Datei mit einer Software (Nuendo & Co) und der Ausgabe mit 02R-Pulten?
Hat das was damit zu tun dass du das fertig abgemischte Ergebnis dann so direkt auf BetaSP kopierst?

Da der rohe Ton doch sowiso schon digital vorliegt, dürfte die Qualität durch reines Abmischen am PC ja nicht unbedingt schlechter werden. (Also dürfte eine Software-Lösung doch völlig reichen wenn man das Video sowiso nur digital (z.B. DVD) speichern und nicht auf Kassette kopieren möchte?)

#
14.11.01
19:10
Chris2
Chris2

whats the name of the music title ?

In the end, there was a cool rocking Music title through the arena. Whats the name of that Music title?

e-mail me uziel316@chello.at

#
16.03.03
14:52
Gast
Gast (nicht überprüft)

RE whats the name of the music title ?

Hm .. actually, it does not have a real name - we always called it "the speed chase music" (because the whole score is based on these few riffs), composed for this movie by Christian Halten from www.skylife.de .

#
17.03.03
16:22
Steffen
Steffen

2. RE whats the name of the music title ?

is there any download chance?

#
17.03.03
17:30
Gast
Gast (nicht überprüft)

3. RE whats the name of the music title ?

I'll send Christian this thread, eventually he'll email you an MP3-version, but I can't promise it!

Steffen

#
17.03.03
17:52
Steffen
Steffen
 
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