Im Vorfeld zu den Dreharbeiten führten wir mit unserem Sport-LK-Stuntman Ilija allerlei Keying-Tests durch und kamen zu folgenden drei Ergebnissen
- Der Himmel ist die wohl coolste und billigste Bluescreen – aber leider auch sehr unzuverlässig, nämlich nur wenn er nur spärlich oder gar nicht bewölkt ist. Im Test-Filmbeispiel haben wir bei Abendlicht gedreht, was zum einen den Blauanteil im Bild verringert (Himmel strahlt nicht mehr so "knallblau" ab) und zum anderen den Wettervorteil mit sich bringt (keine Widerrede! Ich weiß ja nicht, wo ihr so wohnt, aber im Schwarzwald und vor allem in Ludwigsburg verschwinden die Wolken abends...)
- Kräftig blaue Weichbodenmatten aus der Sporthalle sind das ideale Action-Bluescreen Material Sie sind auch ohne spezielle Beleuchtung - wir hatten bei den Bluescreen-Aufnahmen in unserer Schulsporthalle nicht eine einzige Lampe im Einsatz - klasse zu keyen und haben den Vorteil, dass man eine Menge Stunts mit ihnen anstellen kann.
- Blaue oder kräftig blau gefärbte Betttücher sind, auch wenn sie naturgemäß leicht lichtdurchlässig sind, prima zum Keyen für Shots gegen den Boden geeignet (solange sie also nicht im Gegenlicht aufgehängt sind oder von hinten beschienen werden).
Blaue Zeltplanen vom Camping hingegen haben so stark reflektiert, dass man sie für "wir brauchen ma schnell ’ne Bluescreen" kaum benutzen konnte.
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Der Schnitt
Nach den Drehtagen hatten wir jede Menge Einstellungen, vielleicht 4 oder 5 Stunden aufgezeichnetes Bildmaterial. Nach der Sichtung wurde uns schnell klar, dass wir zwar sehr viele und schöne Aufnahmen hatten – Karin rennt, Karin fällt, Karin schiesst – aber dass alles zu einem Film zusammenpasst, das schien uns noch nicht sicher Wir hatten Handlungen und Einstellung aus ein und denselben Szenen an so vielen unterschiedlichen Locations gedreht, ohne auf Anschluss oder Übergänge zu achten. Im Grunde haben wir ständig improvisiert, was sich jetzt bemerkbar machte, wo Drehbuch und Dialogton zur Orientierung für den Schnitt fehlen. Dem Schnitt kam also eine bedeutende und nicht leichte Aufgabe zu, bei Combatant wurde wirklich erst während dem Schnitt klar, wie der Film letzlich aussieht.
Wegen des fehlenden Tons haben wir nur das Bild geschnitten – und wir wollen auch keinem im Nachhinein empfehlen ohne jeglichen Ton – kein Soundtrack, keine Effekte, kein O-Ton – zu schneiden. Zehn, zwölf, vierzehn Stunden am Stück vor’m Rechner Film schneiden, aber dabei ausser dem Computerlüfter gar nichts zu hören!
Deshalb Möglichst früh schon Soundtrack (mindestens Musik) festlegen oder herstellen, damit wenigsten ein Grundrhythmus für den Schnitt da ist.
Der Schnitt lief parallel zur restlichen Postproduction, viele der digitalen Effektshots wurden also gleichzeitig hergestellt. Um trotzdem rechtzeitig fertig zu werden, hatten wir erstens
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eine relativ genaue Aufteilung des Teams und den entsprechenden Workflow (Ilija animiert, Steffen composed, Daniel schneidet, Chrisitan vertont), andererseits haben wir schon mit Rohmaterial geschnitten, das dann sukzessive erst durch pre-Renderings und schliesslich durch die finalen Effektshots ersetzt wurde. Bei massiv computergeneriertem Bildinhalt, wie den Mech-betonten Shots oder grossen Compositings, haben wir ausserdem mit Platzhaltern oder groben Animatics gearbeitet, die die ungefähren visuellen Elemente und ihre Dynamik veranschaulicht, z.B. mit untexturierten, grob positionierten und animierten 3D-Modellen.
Eine Hauptaufgabe für den Schnitt hat sich erst nachträglich herausgestellt
Trotz selbstverachtendem Körpereinsatz im Unterholz wirkten viele Aufnahmen von sich aus einfach nicht schnell genug.
Eigentlich kein Wunder bei den schwierigen Drehbedingungen und Locations, und wahrscheinlich auch ähnlich anderen Action-betonten Filmen, aber eben gar nicht gut für die Wirkung. Die Geschwindigkeit, die wir für „Combatant“ haben wollten, mussten wir deshalb im Schnitt erreichen, durch geschicktes Kombinieren von Einstellungen, so dass Bewegungsflüsse und Bilddynamik fortgesetzt, betont und richtig zur Geltung gebracht wurden.
Der fertige vertonte Film wirkte dann auf uns an manchen Stellen sehr agressiv geschnitten – aber warum? Es lag am fehlenden Ton beim Schnitt.
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Ton und Musik timen einen Film und treiben die Geschwindigkeit der Action an. Jeder kann das leicht feststellen, wenn er bei einer bekannten Actionsequenz einfach mal den Ton abdreht – alles wirkt viel langsamer und gemächlicher als gewohnt.
Da wir aber keinen Ton und keine Musik für den Schnitt hatten, haben wir Combatant nur durch die Bilder schon ausreichend schnell gemacht, d.h. der reine Bildschnitt war von sich aus knackiger als normal, weil beim Schnitt eben kein Ton für den Drive gesorgt hat. Als dann Sound und Musik zusätzlich dazugekommen sind und ihrerseits noch die Geschwindigkeit steigerten, haben wir gemerkt, wie straff manche Schnitte dadurch geworden sind.


