Was mich extrem stark intressiert ist die Antwort auf die Frage: "Diese Schärfe in den professionellen videoclips, wie kriegen die die hin?" Ihr wisst schon, im Mtv oder so sieht man doch immer wieder so ne stark behellten aber vor allem mit scharfer Qualität gedrehten clips( wo vor allem farbige Leute gut aussehen). Ich hoffe, ihr versteht, was ich damit meine, wenn ich sag dass das "noch echter aussieht als in Wirklichkeit" Fotos kriegt man ja leichter so scharf hin, aber laufende Bilder? Jeder sieht den Unterschied, ob jemand mit ner kleinen digicam gefilmt hat oder mit ner teuren kamera. Aber liegts wirklich nur an der Kamera? Oder sind das spezielle Objektive? Belichtung? Um Antwort wird gebeten, es intressiert mich wirklich ;-)
da es sehr viele Dinge auf einmal sind, die du wissen möchtest, wäre es wahrschinlich am einfachsten, wenn du ein Beispielbild posten würdest, anwelchem du noch mal ganz konkret zu einzelnen Elementen Fragen stellen kannst, da es auf deine Frage so keine Antwort gibt, beispielsweise "nutze einfach das Kameramodell XY" und du hast Bilder wie in einem professionellen Videoclip...;) hoffe du verstehst, was ich meine...
Joined: 26 May 2003 Posts: 1211 Location: Ludwigsburg _________________ Arise, arise, Riders of Théoden! Fell deeds awake; fire and slaughter! spear shall be shaken, shield be splintered, a sword-day, a red day, ere the sun rises! Ride now, ride now! Ride to Gondor!
Also deine Beschreibung ist ja nun doch ein wenig diffus ;) Grundsätzlich wenn das Bild von "professionell hergestellten Filmen oder Clips besser aussieht kannst du mal von mehreren Dingen ausgehen:
Es wird mit einer guten Kamera gedreht (Entweder gleich auf 35mm oder halt ne Red oder irgendne schöne Varicam, HDCam, sowas in der Art) Es arbeiten Leute daran, die Plan haben von dem was sie machen. Wenn es jetzt an den Filmlook geht ists halt zum Großteil das Licht was gut gesetzt wird und ansonsten die Farben, die entweder Materialspezifisch sind (bei Film) und oder geil gegradet wurden. Und dann wird halt ein ordentlicher Workflow in der Post gemacht, wo alles schön uncompressed ist usw. Aber wenn man dann da son Full HD Signal hat und das alles richtig gemacht hat beim Dreh und in der Post kannste mal davon ausgehen, dass das Bild anschließend "brilliant" ist. Ich sag jetzt mal nicht "scharf" so wie du, weil scharf kann auch jeder scheiß minidv camcorder sein. Meist ist ja das genau das Problem, dass alles ZU scharf ist, die Red hat zum beispiel EXTRA nicht so eine harte Kantenschärfung wie Consumer Camcorder oder HDcams, um mehr wie analoges Filmmaterial auszusehen.
Den Effekt den du beschreibst hat in erster Linie etwas mit der Lichtsetzung zu tun. Bei Portraitfotos ist das ein besonderes Zeichen für gekonntes Handwerk. Es geht darum möglichst gleichmäßiges, weiches Licht als Basis hinzubekommen und dieses dann mit fein dossierten Effekt und Spitzlichtern zu modiellieren. Dazu kommt noch, ganz wichtig, das Augenlicht.
Wenn man also über Frostrahmen und mit Reflektoren ein Motiv "schön" leuchtet, mit ein paar Dedos Kanten betont und ein Ring aus Glühlampen ums Aufnahmeobjektiv als Augenlicht montiert kommt man schon in die richtige Richtung.
Die Kamera ist dabei gar nicht mal so wichtig. Wenn die Brennweite stimmt sieht es dann auch mit einer "manuell" eingestellten MiniDV gut aus.
"Große" Kameras sind dazu da die aufwendig geleuchtete Szene unverfälscht und ohne Verlust aufzuzeichnen. Selektive Schärfe ist dann noch ein Bonbon dazu.
Was dann in der Postpro noch passiert ist die Veredelung der Bilder. Dafür müssen die Bilder zum Veredeln aber von hoher Qualität sein.
Wenn auch meine Vorredner völlig recht haben, was Lichtsetzung etc. angeht.
Wurde ähnlich konfuses auch schon gefragt und das was die Herrschaften dann letztlich meinten war die Schärfenuntiefe! Das erklärt zwar wie Avenger und Opcode schon gesagt haben läängst nicht alles, trifft hier aber glaube ich das erfragte.
Eine hohe Schärfentiefe erzeugt aber nicht unbedingt das beschriebene Phänomän. Es hängt auch damit zusammen wie wir sehen und wahrnehmen. Primär erkennen wir Kanten und Bewegungen, alles dazwischen ist Sekundärinformation. Sind also die Kanten sehr Kontrastreich haben wir einen hohen Schärfeeindruck. Dazu braucht aber nicht das ganze Bildfeld scharf zu sein, sondern nur der "interessante" Teil. Also ist es auch von Bedeutung wie man das Interesse lenkt. Das kann übers Licht und/oder die selektive Schärfe geschehen.
Fotografiert man die Unterseite des Daumens mit sauberem Licht, läßt alles drum herum unscharf und erhöht sachte den Kontrast, dann sind die den Fingerabdruck bildenden Linien das was den Schärfeeindruck vermittelt. In Schwarz/Weis wirkt das dann noch deutlicher.
Danke allerseits, auch für den Link zur gut erklärten Schärfenuntiefe, @abc! Und das von ARRI hab ich mir runtergeladen, danke @opcode, ist sehr interresant, auch wenns mich ein bisschen anstrengt auf englisch zu lesen. Mann o mann, kameramänner darf man ja nicht unterschätzen, bei den ganzen Stoff den sie lernen! Da ist der Phisykunterricht ja fast langweilig dagegen.
Hochwertige Objektive, Licht, Lichtbestimmung (Farbkorrektur) und vor allem der Kameramann...: beim Fußball gibt es Slowmotion Kameras, die mit >100fps aufzeichnen, statt der 25: damit kann man schon mal die Sequenz deutlich langsamer abspielen. Ich kenne Kameramänner, die es schaffen, auf den Ball gezoomt (geringe Schärfentiefe) das Bild scharf zu halten, und den Ball fast Schirmfüllend mitzuschwenken, eine hübsche Frau im Publikum sitzen sehen, für 4 Frames auf diese scharf stellen, und dann wieder den Ball scharf mitverfolgen: echte Freaks, und einfach verdammt verdammt gut... Abgesehen davon gibt es da echt Exemplare, bei denen das simpelste Motiv immer gut aussieht - die haben einfach den Blick...
B.t.w.: solche Large Lens Objektive vom Fußball lagen bei einer Viertel Million DM (als ich Ausbildung gemacht habe)...