Hallo zusammen, eines vorweg, ich frage das hier nur aus reinem Interesse, habe das ganze also nicht selbst vor. Also, gehen wir mal davon aus, ich habe einen guten Film gedreht. Habe alle Rechte daran und möchte ihn nun in einer 100er Auflage vervielfältigen. Damit würde ich mich an ein Kopierwerk wenden, ABER die pressen doch nur die DVDs und schicken Sie mir in einer Hülle verpackt nach Hause. Ich möchte jedoch die DVD Rohlinge bedruckt haben und ein Cover für die Hülle. Wo lasse ich soetwas machen? Kann ich ein Cover in Photoshop erstellen und dann die Datei an ein Fachgeschäft weitergeben, mit der Bitte, sie sollen das Bild auf dieses spezielle DVD Papier drucken? Nehmen wir dann mal an, ich hätte jetzt 100 fertige DVDs mit meinem Film, oder mehr, je nachdem. Kann ich als normaler Mensch meinen Film nun in einer Videothek z.B. veröffentlichen lassen? Muss der Film, wenn ich ihn veröffentliche eigentlich FSK geprüft sein? Wie läuft soetwas eigentlich ab, wenn z.B. ein B-Movie rauskommt?
Ich hoffe ihr könnt mir meine Fragen beantworten. ;)
Joined: 11 Jan 2002 Posts: 2617 Location: Duitsland
Die Arbeit, von der Du sprichts, macht der Verleih. Wenn Du es selbst machst, dann bist Du eben der Verleiher. Das heißt, Du hast viel zu tun. Du musst die FSK besorge (kostet meiner Erinnerung einen vierstelligen Betrag), falls Du keine hast, ist der Film automatisch ohne Jugendfreigabe und deshalb ab 18. Du müsstest die Videotheken kontaktieren und überreden, Deinen Film bei sich reinzustellen. Dann müsstest Du sie dort hin schicken. Natürlich gibt es Firmen, die DVDs pressen und fertig konfektionieren. Eine 100er Auflage lohnt sich da aber nicht.
P.S.: Ob der Film gut ist oder nicht entscheidet ausschließlich das Publikum.
die Kopierwerke bieten an, die geeigneten Vorlagen vorrausgesetzt, alles für eine Verkaufsfertige DVD zu produzieren. Allerdings lohnt sich das erst ab einer Auflage von deutlich über 500 Stück. Das heißt man muss die fertig gemasterten Daten für die erstellung eines Glasmasters (für die DVD-Pressung) haben. Dann die Datei mit dem was auf die DVD gedruckt werden soll. Noch die Datei (Photoshop geht immer :-) für das Cover und bei Wunsch auch noch die Beileger.
Vom Kopierwerk wird auch noch auf wunsch der Versand organisiert.
Bis hierher ist aber alles weitgehend technischer Natur. Aber die Vermarktung einer DVD hat nur zum kleinsten Teil damit zu tun. Es ist jede Menge Verwaltungskram notwendig. Von der FSK-Abnahme, über die Werbung, die Poster, Papaufsteller für Videotheken etc. Natürlich gehört zum Marketing noch viel mehr. Showauftritte der Stars sind z.B. eine Sache. Für Filme die ernsthaft veröffentlicht werden sollen sind Termine bei Medien-Rechtsanwälten auch noch Pflicht. Sonst kann es schnell sehr viel Ärger geben und das nicht nur im finanzieller Hinsicht.
Eine ernsthafte Vermarktung würde wohl deutlich mehr kosten, als die meisten Filme die hier von den Leuten im Forum gedreht werden. Sowas ist in manchen Fällen schade, aber nun einmal Fakt.
Und was wenn du den Film fertig hast in einem Exemplar und es an einen Agenten schickst und unter die Fittiche genommen wirst ? Dann hat sich das doch, oder ?
Schlimm wenn man immer Angst haben muss, abgezockt zu werden...
Üblicherweise muss ein Film, bevor er überhaupt entsteht erst mal finanziert werden. Dann sind da eine ganze Reihe von Leuten hauptberuflich an der Entstehung des Films beteiligt. Es ist eine richtige geschäftliche Unternehmung die so ein Filmprojekt bedeutet. Man muss also die Maßstäbe eines Gewerbes anlegen und da sind Steuerberater, Rechtsanwälte etc. vollkommen normal. Selbst ein kleiner Film übersteigt den geschäftlichen Rahmen einer Würstchenbude.
Mal ganz ehrlich, wer schaft es als Einzelkämpfer einen komerziell verwertbaren Film aus eigenen Mitteln zu realisieren? Aber mal angenommen es wäre so, dann ginge man zu einem Filmvertrieb und der würde den Film ankaufen und mit entsprechend gewerblichen Aufwand (Rechtsanwälte, Steuerberater etc.) betreuen.
Ich weiß ja nicht was sich einige unter einem Agenten vorstellen. So ein Agent ist eher für einen Künstler zuständig. Vermittelt also z.B. einen Regiesseur für ein Filmprojekt. Der Regiesseur macht dann "seinen" Film, aber "sein" Film ist es zuerst in künstlerischer Hinsicht.
Ich! Siehe www.cocoa.de. Derzeit bin ich beim Schnitt.
Ich denke, dass man sogar sehr leicht einen gutenFilm ohne fianzielle Mittel machen kann, wenn man es als Amateur einfach mal lässt, Sachen drehen zu wollen, die Profis mit Sicherheit viel besser machen können. Es gibt genug schöne Geschichten aus dem Leben, die spannend sind.
Ich selsbt habe 41 Verleihfirmen angeschrieben. Allerdings waren damals die Dreharbeiten noch nicht beendet. Einige versprachen zumindest, sich das fertig Werk einmal anzusehen.
Die Frage war, wie bekommt man einen Film an den Mann.
Dass man auch "ohne Geld" gute Filme machen kann wird hier im Forum regelmäßig bewiesen. Doch wie sieht es mit der "Reichweite" dieser Filme aus? Das Internet hat hier schon viel bewirkt, aber wirkliches "an den Mann bringen" ist eine andere, ganz profane Aufgabe.
Nehmen wir einfach mal an Cocoas Film "Michelle & Isabelle" der ohne finanzielle Mittel produziert wird findet einen Verleiher. Zu welchem Preis soll man den Film dem Verleih überlassen? Wie bewertet man die Leistungen der am Film Beteiligten? Gab es nicht doch finanzielle Aufwendungen für Fahrtkosten, Telefonate, Kostüme, Maske etc.? Ob der Film dann analog oder digital im Kino, als DVD, Fernsehausstrahlung oder alles zusammen veröffentlicht wird ist dann eher eine Entscheidung des Verleihers.Durch den Verkauf des Films an den Verleih wird aus dem Hobbyfilm ein kommerzielles Produkt. Das ist nichts negatives, sondern nur damit verbunden, dass der Film plötzlich den gewerblichen Bedingungen unterworfen ist.
Im übrigen muss ich Cocoa absolut zustimmen: Amateure sollten sich nicht mit Profis messen, sondern ihre eigenen Geschichten erzählen.
Auch darüber habe ich mir natürlich Gedanken gemacht.
Die Grundvoraussetzung ist immer, dass der Film gut wird. Als Kriterium darf man nie sich selbst sehen, oder die die mitgewirkt haben. Nur Unbeteiligte können sagen: "Ach ja, nett." oder "Langweilig ohne Ende."
An eine 35mm-Kopie ist in keinem Fall zu denken, denn dafür ist der Film auch nicht geeignet (technisch gesehen entspricht die Qualität der Panasonic-Kameras ungefähr 16mm). Auch würde sich hier sicher kein Vereih finden, der die immensen Kosten übernehmen würde.
Der erste Film sollte immer als "Einstieg" gesehen werden. Geld wird man sicher nicht verdienen.
Ich persönlich habe bereits drei regionale Kinos gefunden, die den Film digital zeigen würden. Digitalkinos können wohl auch BlueRay abspielen (wusste ich gar nicht). Diese Kinos machen das aus Spaß oder regionaler Verbundenheit. Also, dafür dann auch noch Geld zu verlangen, wäre fast schon unverschämt. Ganz im Gegenteil, wir Beteiligten freuen uns ja, dass man das Ergebnis überhaupt einmal auf der Leinwand sehen kann.
So werde ich folgendes versuchen (wenn der Film gut wird):
1.) Einen echten Verleih finden nach der Devise "Man kann ja nie wissen." Echte Hoffnung mache ich mir nicht. Ein professioneller Verleih wird dann schon wissen, was und ob man damit etwas verdienen kann. Hätte man tatsächlich einen, wird man sicher kaum verhandeln können.
2.) Eine FSK besorgen und versuchen, den Film an Videotheken-Ketten auszugeben. Das dann kostenlos, denn sonst wird man sicher niemanden finden. Hintergrund wäre einzig zu sehen, ob sich überhaupt jemand für den Film interessiert.
3.) Kinos/Kinoketten persönlich und direkt anschreiben und den Film ebenfalls kostenlos anbieten.
4.) Den Film fürs Internet aufbereiten und ihn in mehreren Folgen kostenfrei zeigen.
Wie gesagt, bin ich nicht interessiert, Geld zu verdienen, sondern einmal zu erkennen, ob ich wirklich Talent habe (interessiert das Ergebnis überhaupt jemanden) und falls ja, zu sehen, dass man bekannt wird! Und dass dadurch eventuelle weitere Türen geöffnet werden.
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Warum organisatorisch so kompliziert? Entweder man bringt einen Film mit massenpotential bei einem der vielen DVD-Distributoren unter, dann kümmert der sich um alles. Oder man nimmt ales selbst in die Hand, dann aber auch wirklich einerseits alles andererseits so einfach wie möglich. Letzteres ist wohl die Option für die meisten kleinen Filmemacher, die sich auf einem Genre/Nischenmarkt bewegen. Dann ist das klarste und wohl potentiell für Nischenfilme profitabelstes Vorgehen:
1.) Technische (DVD) Verfielfältigung einem Dienstleister überlassen (wie schon gesagt wurde: Auflage ab 500-1000 Stück, aber darunter lohnt es sich ja ehrlich gesagt nicht mal weiter über diese ganze Sache nachzudenken)
2a) Kleine Website/Shop aufsetzen (Out-Of-The-Box, wenn möglich, also 1und1) mit idiotensicherer und supereinfacher Bedienung, zuverlässiger Abwicklung und griffigem Filmnamen, und da die DVD reinstellen - im Grunde reicht schon ein Kontaktformular aus (dann ist halt weniger automatisiert). oder: 2b) Die DVD in einem Shop / Plattform für Nischen-DVD unterbringen (geht natürlich marge drauf, aber Bestellerzahl liegt vermutlich höher)
3.) Werbung machen im Sinne von viralem- und guerilla-Marketing: In einschlägigen Nischen-/Genreblogs posten, review-Exemplare an Film-Review-Seiten in dem Genre versenden, für Publicity in der Nische sorgen (und immer schön den Link zum Shop einbauen!!)
FSK ist eine *Freiwillige* Selbst-Kontrolle und wird , wenn Du den Vertrieb selber in die Hand nimmst und Dich ausserhab der traditionellen "bürokratisierten" Vertriebsstrukturen bewegst (siehe oben), dann brauchste Dir um FSK keinerlei Gedanken zu machen.
Wenn das alles nach zu viel Aufwand aussieht oder Du davon ausgehen musst, weniger als sagen wir mal 1000 Stück an den Mann zu bekommen (und damit meine ich eine realistische mit Zahlen untermauerte schlüsige Schätzung), dann lass es einfach, weil es sich dann nie und nimmer lohnt. Dann isses besser, den paar Leute die den Film wollen eine DVD zu brennen und diese Leute den Film selber kostenlos weiterverteilen zu lassen...
Übrigens: Am geilsten wär natürlich, wenn man sein Werk gleich selbst in Plattformen wie iTunes einstellen könnte, aber von soviel Demokratisierung der digitalen Vertriebs-Infrastruktur sind wir wohl noch ein Stückchen entfernt... und viele wollen vielleicht auch liebe (noch!) eine DVD in Händen halten...
Mal ganz ehrlich, wir sind schon verträumte Idealisten :-)
Für iTunes und Konsorten ist ein Film Content und beim richtigen Content bedeutet das sehr viel Geld. Sowas hat recht wenig mit Demokratisierung zu tun.
Für unsereins sind die Preise für DVD-Brennern und DVD-Rohlingen schon anständige Argumente für die Basisdemokratie :-)
Vor allem bei den von uns relistischen Vertriebszahlen kein Problem. Selbst gerakelte Siebdrucke und gebadikte Hüllen inklusive :-)
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Quote:
Für iTunes und Konsorten ist ein Film Content und beim richtigen Content bedeutet das sehr viel Geld. Sowas hat recht wenig mit Demokratisierung zu tun.
klar. war schwammig ausgedrückt, und ein Widerspruch in sich. "Verschlankung" bzw. "Hindernis-Abbau" oder "Eliminate the Middlemen" wäre korrekter.
Zu dem Thema gabs bei fxphd im Januar Semester interessante Beiträge. Zu iTunes kann ich mich erinnern, wenn dort ein Film für 1,99$ verkauft wird, erhält der Macher 79 cent(US). Auch die ganzen Schritte zur Veröffentlichung wurden da erläutert.
Ich werd mal anfragen, ob man da nicht auch Einzelvideos runterladen darf.
Rodriguez ist als Regiesseur groß raus gekommen. Mit dem Film den er zuvor abgelieferte hat er den Fuß in die Tür bekommen.
Der Fall Rodriguez ist schön für die Legendenbildung. Aber es fehlen noch eine ganze Reihe von Informationen, um zu verstehen was da wirklich passiert ist. Die Legende wäre auch langweilig, wenn man die ganze Wahrheit kennen würde.
(Ausbildung, Elternhaus, einflußreiche Freunde und Mentoren, etc.)
Hm ich weiß nicht ob man das als Legende bezeichnen sollte, eher als großen Glückszufall, zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Leute getroffen zu haben. In "Rebel without a crew" kommt das für mich zumindest recht authentisch rüber. Da war einfach der Wille und Biss auch vorhanden. Mal erhlich, wer würde denn seinen Film auf zwei Videorekordern schneiden wollen heute :-)
"rebel without a crew" alleine der Titel ist schon der blanke Hohn zum Thema Filmemachen. Selbst Tierfilmer brauchen zwischendurch mal etwas Unterstützung, wenn sie für den WDR drehen. Natürlich braucht es Wille und Biss, aber alleine damit wird aus einem Gettokind auch nichts. Wenn es immer nur um Qualität und Talent ginge, dann wären Florian Silbereisen und Hansi Hinterseer zu meiner Satisfaktion schon längst vor Hunger verreckt.
also das mit der 4stelligen zahl für die fsk ist total übertrieben ;-) die fsk berechnet nach minuten. bei einer lauflänge von 200 minuten sind das ca. 400 euro (hatten erst letztens eine veröffentlichung deshalb weis ich das). man kann wenn man eine gute dvd hat auch zu einem vertrieb anstatt zu einem verleiher gehen. der vertrieb kümmert sich darum das die dvd in den handel kommt und jederman sie im mediamarkt, saturn etc. kaufen kann. hierfür brauch man aber einen anwalt der die verträge checkt etc. der vertrieb will dann natürlich auch wissen welche werbemasnahmen ergriffen werden d.h. marketing konzept vorlegen . ach und was hier auch völlig vergessen wurde ist die gema. soviel ich weis macht kein presswerk eine vervielfältigung wenn nicht eine entsprechende gema freigabe erfolgt. die muss natürlich auch bezahlt werden. man kann also davon ausgehen das die dvd mit ein wenig werbung, pressung etc. mehr kostet als die produktion (wenn es sich um ein low-budget produkt handelt). aber nichts desto trotz gibt es genug beispiele an dvd´s die nicht "kommerziell" sind und trotzdem sehr starke umsätze erzielen.
Joined: 11 Jan 2002 Posts: 2617 Location: Duitsland
Einen Film an den Mann bringen
Ich habe von Reimer Reimer aus der Filmstube folgende Information (ich erlaube mir zu zitieren): habe gerade einmal mit der FSK telefoniert, um eine Übersicht über die Preise zu bekommen. Mein lieber Scholli! Die sind brutal hoch. Gerade eine Sammlung von Kurzfilmen dürfte im Preis explodieren. Die FSK verlangt eine Mindestsumme pro Kurzfilm von ca. 500 Euro (inklusive USt), so eine Sammlung der 20 besten Filmstubenkurzfilme bei 10.000 Euro FSK-Kosten läge.
ein vereinfachtes verfahren (für dvd produktion einer dokumentation) kostet bei der fsk 1,38€ pro minute. kurzfilme werden jedoch mit pauschalen verechnet. hier gibt es also einen unterschied. es gibt hier unterschiede ob es sich um einen langfilm, kurzfilm, werbefilm oder dokumentationen handelt. finde ich auch sehr merkwürdig weil eigentlich ist eine minute eine minute egal um welche art des film es sich handelt. und wenn man dann alles bezahlt hat kommt bestimmt noch die GEZ ;-) da es sich bei dem beispiel mit den kurzfilmen um mehrere handelt kommt man halt auf so eine summe, da man für jeden einzelnen film zahlen muss.
@opcode: der titel "rebel without a crew" ist kein hohn sondern eine interessant machende übertreibung. und was florian silbereisen angeht: da solltest du sehr umdenken!! ist auch nicht mein geschmack aber er hat das talent, die hallen mit der zielgruppe zu füllen. es geht doch immer darum, was man will. wenn du nen musikantenstadl ausrichten willst, wen würdeste da engagieren, harald schmitd oder florian silbereisen? wer hat dafür das größere talent? rosamunde pilcher filme sind auch keine filmischen meilensteine aber haben irre hohe einschaltquoten. manchmal nützt es einem nix zu sagen: "mein film ist aber der künstlerischere, aber das versteht die zielgruppe nicht" :-)