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Kamerarbeit bei KOZ und OEG
DOP Marcus Stotz erklärt Kameraarbeit direkt aus der Praxis!

Hi liebe HM Leser!
Ich bin Marcus Stotz, der DOP von "Kampfansage - Der letzte Schüler", "Auf Bösem Boden", "Kopf oder Zahl" und so einigen anderen Sachen. Und natürlich auch HM-User ;) Schon lange wollte ich mal einen technischen Bericht über Dreharbeiten von Spielfilmen aus meiner Sicht als DOP machen, da anscheinend sehr viel Nachfrage danach besteht – jetzt endlich ist es soweit!

Oft lese ich: "Was für Equipment wurde da benutzt?" oder "Was sind die Tricks für euren Look?"...
Tja, letztlich ist das eine einfache Frage mit einer einfachen Antwort: Bei jedem Film benutzt man ähnliches Equipment. Man steht immer wieder vor den selben Problemen. Es gibt keine Spezial-Lösungen.
Das bringt Euch natürlich auch nur philosophisch weiter, deshalb will ich mit diesem Artikel das Handwerk eines DOP von der praktischen Seite schildern.

Eigentlich gilt zunächst immer wieder ein Allgemeinplatz – der Euch aber wahr und Euch erste Faustregel ist: Man muss sich jede Einstellung vorher ausdenken. Man muss sich immer wieder Einstellung für Einstellung Gedanken machen wie man sie aufbaut und leuchtet. Man braucht immer wieder Leute, die wissen, wie man das Gewollte in der Post-Produktion zum Endergebnis umsetzt. Egal welches Equipment man benutzt. Jeder kennt eine DV-Kamera. Jeder kennt After-Effects. Man muss nur lernen, damit kontrolliert umzugehen. Und wie man eben das, was man sich für den konkreten Shot gedacht hat, erreichen kann. Und wie man das alles letztlich aus der Geschichte heraus entwickelt.
Bei "Kampfansage - Der letzte Schüler", "Auf Bösem Boden" und "Kopf oder Zahl" hatten wir sehr ähnliches Equipment und standen vor ähnlichen Problemen.
Diese Artikel soll Euch anhand der letztes beiden Filme einen groben Blick über die story- und look-orientierte Kamera-Arbeit geben.

Pre-Produktion:


1. Drehbuchanalyse / filmische Auflösung

 

Das wichtigste am visualisieren eines Spielfilms ist die Liebe zum Buch.
Bei "Auf Bösem Boden" (ABB) war mir nach einer Seite lesen klar: Ich will dieses Ding drehen! Ich hab noch nie so gelacht beim Lesen eines Drehbuchs! Peter Koller ist ein guter Regisseur, aber vor allem ein begnadeter Autor, wie man ja in seinen Berichten absolut merkt!

Bei "Kopf oder Zahl" (KOZ) hab ich von der Treatment-Phase bis zur Dreh-Version des Buches eng mit Michael, Benjo und Timo zusammen gearbeitet. Ich kannte das Buch sozusagen fast auswendig.

Szenische Auflösung ABB:


Die Auflösung des Buches in Einstellungen war bei ABB eine sehr kurze Angelegenheit. Eine Woche vor Dreh landete ich in Wien ein und traf Herr Koller zum ersten mal!

 


 

 

Er hatte schon eine Art Storyboard beisammen, das aber sehr kryptisch und kompliziert war. Also begann ich innerhalb von einer Woche das ganze im Schnelldurchlauf von vorne aufzulösen und mit Peters Vorstellungen zu vereinen. Zum Glück kamen wir immer schnell auf einen gemeinsamen Nenner. Ich glaube zu 70% kamen wir damit bis zum Drehbeginn durch. Der Rest musste am Set improvisiert werden. Was eigentlich kein größeres Problem darstellte, da das Team nach meiner Erfahrung nach ca. einer Woche einen Dreh-Stil drauf hat, der fast wie von alleine abläuft. Was sehr hilft beim Auflösen ist der Vergleich mit anderen Filmen. Peter zeigte mir "Army of Darkness". Wir lachten uns krumm und dachten: "So'n Scheiß wollen wir auch!" Da wurde mir auch glasklar in welche extreme Richtung der Film gehen soll. Auf der anderen Seite natürlich ganz klar der sonnige "Sergio Leone – Wüstenlook" gepaart mit trockenem, langsamen Kitano-Charakter.

In jedem Film gibt es das wichtigste Element. Meistens steckt es schon im Titel des Films. In ABB ganz klar: "der Boden".


 

 

Der ganze Film dreht sich nur um dieses Grundstück, das alle verrückt macht. Also wollte ich dies so weit es geht zur Regel/Dogma machen. Ich finde es sehr wichtig technische Grundregeln zu machen um dem Film einen einheitlichen Look zu geben. Meine Idee war möglichst alles von Bodenhöhe/Froschperspektive zu schießen. Man sieht den Film aus der Sicht des Hauptcharakters: dem Boden. Peter fand die Idee super! Außerdem ist die erste Einstellung des Films (die Einstellung die den ganzen Film metaphorisch "auf den Punkt" bringen soll) der Boden, der vollgekotzt wird.


 

 

Es ist auch gut möglich Vordergründe hinzustellen, die etwas erzählen und dem Bild Tiefe zu geben. Dramaturgisch hab ich mir bei ABB gar nicht so viel Gedanken gemacht. Das wichtigste war eigentlich jede Szene so extrem oder witzig wie möglich zu gestalten. Immer voll auf die 12! Um Charakter- oder Storybogen haben wir uns wenig gekümmert.


 

 

Zum Glück waren die Dreh-Motive bei ABB schon vorher einigermaßen geklärt - obwohl ich nach meiner Ankunft am Motiv erstmal ein Riesen-Remmidemmi veranstaltet habe ... die Ausstatter hielten mich, glaube ich, erst mal für verrückt, als ich Anweisungen gab, dass diverse Räume blutverspritzt sein mussten...


 

 


 

 

...außerdem wollte ich, dass viele Gegenstände in den Raum gestellt werden, damit ich mit der Kamera dahinter und sie als Vordergrund nutzen kann. Das Fabrikgelände war zwar alt, dreckig und voll mit schrägem Schnickschnack, aber für einen Film wie diesen muss es halt doch 500% übertrieben und alles wild verteilt werden, um in möglichst jeder Einstellung den Charakter des Geländes zu spüren. Wir haben das Gelände erst mal kräftig auf den Kopf gestellt! Ganz zum Leid von Peters Opa.


 

 

Szenische Auflösung KOZ:


Bei KOZ sah das ganz anders aus. Ich hatte 6 Wochen Vorbereitung im Banditen-Büro. Rechner an Rechner zum Produktionsleiter Alex Schmidt und den beiden Storyboardern. Genau so lange wie der Dreh selbst. Dies war von großem Vorteil, denn wir wollten den Film dramaturgisch durchgestalten! Zwei Wochen mehr wären noch besser gewesen, aber man hat wahrscheinlich nie genug Zeit, sich perfekt vorzubereiten! Außerdem hatte ich zwei Praktikanten zur Verfügung, die heiß darauf waren Storyboard zu zeichnen. 1000 Dank an Jonas und Nicole!!

 










 

Ich konnte also ganz grundlegend beginnen, jede Szene auseinander zu nehmen:

1. Was passiert vordergründig in der Szene (Was wird im Dialog behandelt?)
2. Um was geht es wirklich in der Szene über das nicht gesprochen wird?
3. Auf welche Szene bezieht sich die Szene? Wo steht die Szene im zeitlichen Ablauf des Films?
4. Welche Figur ist die Hauptfigur in der Szene?
5. Wie gehe ich mit dem Charakterbogen der Hauptfigur im Bezug zum Rest des Films um?
6. Welche Stimmung und Geschwindigkeit soll die Szene bekommen? Wie setze ich dies um in Licht, Kamerabewegung und Perspektive?
7. Welche wichtigen Details gibt es in der Szene? (Requisiten, Maske, Kostüm,...)
8. Weiß ich schon was für ein Ton/Musik die Szene bekommen soll?
9. Ist die Szene so interessant wie wir sie uns vorstellen? Will ich sowas in einem Film sehen? Wie kann man sie zur Spitze/auf den Punkt bringen?

So kam ich dem Drehbuch noch viel näher, als ich überhaupt schon war. Natürlich immer im Blick den Film als Ganzes nie zu vergessen. Man sollte auch immer an Kontraste denken, die den Film meiner Meinung nach interessant machen und Drive geben. Auf eine langsame Szene sollte möglichst eine schnelle folgen, auf eine ruhige eine laute, auf eine dunkle eine helle ...
Ich hab dann den Zeichnern meine Erklärungen und Strichzeichnungen vorgelegt und ihnen jede Einstellung genau erklärt damit sie loslegen konnten.










 

Vor allen Dingen musste ich den Beiden die Wirkung von Objektiven erklären. Was macht eine 10mm Optik mit dem Bild, was eine 100er und 200er. Was macht eine 10er Optik, wenn die Kamera auf Bodenhöhe ist oder in einer anderen Höhe? Oft mussten wir Zeichnungen wiederholen, weil das ganz schön knifflig war. Und im Nacken immer Timo und Benjo, die eigentlich nie mit irgendetwas zufrieden sind! Beim Drehbeginn hatten wir ein Storyboard für den kompletten Film von ca. 360 Seiten.

Parallel dazu war mein Hauptjob, die Dreh-Motive zu suchen.
Der Hauptcharakter in KOZ ist "die anonyme Großstadt". Wie soll man in Stuttgart eine Großstadt erzählen?? Durch hartnäckiges suchen fanden wir dann doch n paar ganz nette Motive. Obwohl wir sehr eingeschränkt waren und bloß nicht zu weit rechts oder links schwenken durften, weil’s dann schon wieder nach Schwabenländle aussah.

Ein Grundsatz unseres Kamera-Konzepts war: Grau ist unsere Hauptfarbe, Grün wird eliminiert! Das durchzuziehen haben wir sogar wirklich geschafft! Ich glaube in dem ganzen Film sind zwei Bäume zu sehen. Auch bei diesem Film wollte ich viele Vordergründe einbauen und die Stadt spürbar machen! Für die komplette Ausstattung, Farbkonzeption und Umsetzung war natürlich die enge Zusammenarbeit mit Markus Wollersheim + Team unerlässlich. Die meisten Innenmotive wurden in leerstehenden Wohnungen/Büros/Asylantenheim gebaut. Die Außenmotive in Stuttgart haben wir meist mit Müll und Street-Art Elementen verziert.


 

 

Was ich bei beiden Filmen nicht vergessen darf, ist die enge Zusammenarbeit mit dem Kostüm- und Maskenteam! Sie wichtiger Teil des Bildes! Beides muss zur Ausstattung passen.

Zum Glück haben wir noch eine Woche Stadtaufnahmen in Berlin eingeplant. Ohne diese würde der Film nie nach Großstadt aussehen!

Auch bei KOZ habe ich mir viele Filme als Referenz ausgesucht. "Collateral", "K-Pax", "Insider", "L.A. Crash", "Matchstick Men", "Man on Fire", "München", "24", "Running Scared" und "21 Gramm" waren große Einflüsse. Hohe Messlatte im Ländle!

Technik


Kamera:

 

Da ich mit dem P+S Mini35 Adapter sehr viel Erfahrung habe und es eigentlich für eine hervorragende Alternative zu 35mm halte (solange man auf einem Monitor bleibt), wurden beide Filme damit gedreht. Es ist billiger als 16mm. Im Kino wird’s halt n bissle pixelig. Da muss man durch! Aber ich finde Filme leben länger in der Videothek als auf der Leinwand! Am Ausspiegelungs-Monitor sieht man auch wirklich das exakte Bild, das aufgezeichnet wird.
Die verwendeten Kameras:
Bei ABB : Canon XL-2
Bei KOZ : Canon XLH-1


 

 

Ich finde Mini35 mit den Canons besser handlebar als mit Sony oder Panasonic. Aber wahrscheinlich ist das Geschmackssache. Da man bei den grossen Canons die Optik abnehmen kann und den Adapter direkt ankoppeln kann, ergibt sich eine kompakte Kamera, mit der man frei arbeiten kann. Das System geht gut zusammen mit den ganzen ARRI-Teilen: Follow-Focus, MB, LMB, Bridge-Plate, 19er Rohre,...
Ich hatte bei beiden Filmen ähnlich Optiken benutzt:
ABB: 16mm (f.2.1), 50mm(f.2.1), 100mm(f.2.1), 200mm Macro(f.4.3)
KOZ: 10mm(f.2.1), 25mm(f.1.3), 50mm(f.1.3), 100mm(f.2.1), 200mm Macro(f.4.3)


 

 

Bei KOZ wollte ich mit der 10er noch n Schritt extremer werden, aber die 25er war als Kompromisslösung dabei. Sie sollte möglichst nicht eingesetzt werden!

Die Kameras waren so neutral wie möglich eingestellt. Weißabgleich: nur Tages- oder Kunstlicht-Preset. 25P. 16:9. Das 1:2,35 Bild kaschen wir in der Post ab! Gut: Ab der XLH1 gibt es einen 1:2,35 Guide im Display!

Bei ABB hab ich noch einen Beta-Schwarz-Weiß-Sucher benutzt, bei KOZ nicht mehr - der Sucher der XLH1 ist super!


 

 

ABB habe ich komplett selbst geschärft - haarige Angelegenheit! Aber es macht eigentlich sehr viel Spaß, mit der Schärfe und Handkamera zu spielen! Kann ich nur empfehlen!

Bei KOZ war zum Glück Nico Müggenburg als Kamera-Assi dabei, er hat einen genialen Job gemacht!

Licht


Bei dem Licht-Equipment will man natürlich immer ne große Grundausrüstung dabei haben, die nach dem ersten Angebot vom Verleiher runtergekürzt werden muss, weil viel zu teuer!

 

Bei ABB hatten wir gleich ne ziemlich kleine Liste, die aber dann doch funktioniert hat. Unsere größte Lampe war eine 4KW HMI Par. Für 2-3 Nächte eine 6KW HMI extra. An einen Steiger Kran war nicht zu denken!

Bei KOZ hatten wir 2 6KW Par HMIs und den ganzen Dreh einen fahrbaren Generator und Steiger dabei. Tolles Spielzeug! Damit hat man, vor allem bei Nacht, die besten Möglichkeiten!


 

 

Bei ABB waren immer ca. 3 Beleuchter am Start.
Bei KOZ waren durchgehend 1 Oberbeleuchter + 3-4 Beleuchter beschäftigt + 1 Dolly-Schubser. 1000 Dank an Euch!

Wen es interessiert: Im Anhang gibts noch die komplette Licht-/Kamera-/Technik-Liste für beide Filme.

Dreh


Auf Bösem Boden:

 

In Peters Bericht steht "...der Dreh und das unmittelbare Davor und Danach müssen ein einziger langer Tag gewesen sein, an dessen Ende er über sechzig DV-Bänder mit bewegten Bildern in seinen Händen hatte". In der Tat vergeht ein Dreh wie im Rausch. Wenn man eine Einstellung aufbaut, hat man die vorhergehende schon wieder vergessen und für alle Ewigkeit abgehackt. Was man so penibel in wochenlanger Arbeit geplant hat wird innerhalb von Minuten runtergerattert. Übrig bleibt eine Erinnerung an eine intensive, kreative Zeit mit coolen Leuten und wenig Schlaf.


 

 

Ich habe den ganzen Film aus der Hand (Schulter, Knie, frei getragen) oder vom Boden mit dem Steadybag (mein Lieblingsstativ! - ein Sack gefüllt mit kleinen, leichten Kügelchen zum ausrichten der Kamera auf einer Fläche) geschossen.

Ich bin ein großer Freund von Bildvordergründen, weil ich denke, dass der Vordergrund immer etwas erzählt. Von der Requisite habe ich mir so Blumensteckgelöte besorgen lassen, um Gräser oder sonstiges schön vor der Kamera drapieren zu können. Innen hab ich mir ausgewählte Ausstattungsgegenstände Bild für Bild in den Vordergrund oder Hintergrund gebaut. Ich wollte dass man das "böse" Grundstück in möglichst jeder Einstellung spürt. Oft gibt das Ärger mit der Continuity, weil ich wild Gegenstände im Raum verstelle oder die Sitzwinkel der Darsteller ändere, aber bis jetzt ist es mir kaum in meinen Filmen negativ aufgefallen.


 

 

Außer bei Nacht mussten wir eigentlich immer mit "Available Light" drehen. Zum Glück schien fast die ganze Zeit die Sonne!
Außen haben wir den 12x12 Butterfly-Rahmen (ca. 4mX4m Rahmen auf Stativen mit diversen Besonnungen) meist mit ¼ Silk-Bespannung (leichte, weiße Seide) benutzt, um die direkte Sonne etwas zu soften. Ansonsten kamen große Styroporplatten und Silberfische ins Spiel. Wenn der Himmel mal bedeckt war haben wir einfach trotzdem gedreht, da wir die Zeit nutzen mussten. Die Farbkorrektur sollte es retten!


 

 


 

 


 

 

Innen haben wir oft im ersten Stock gedreht, an den wir mit keinem Stativ herankamen, und ein Steiger-Kran war auch nicht da. Das Sonnenlicht von Außen musste genügen. Aufhellen und Führung wurden innen mit HMI’s und Flos verstärkt, dadurch bekamen die Bilder einen interessanten Studiolook. Im Erdgeschoss haben wir natürlich schön die 4KW Par HMI durch’s Fenster gelötet.

Die Nacht haben wir pur mit HMIs (Tageslicht-Lampen) geleuchtet. Der Weißabgleich an der Kamera stand auf Kunstlicht. Peter mochte das klischee-80er-blau.


 

 

Da wir den ganzen Film auf und um das Gelände gedreht haben, hatten wir fast Studio-Bedinungen. Nach der ersten Woche übernachtete das halbe Team ums Lagerfeuer im Garten der Fabrik. Wir wohnten sozusagen im Motiv!


 

 

Die Autoszenen drehten wir vor einer 12x12 Butterfly mit Greenscreen-Bespannung. Das Schöne an Greenscreen Aufnahmen ist, dass man Einstellungen machen kann, die in Realität nicht drehbar wären. Z.B.: Mit der 200er, Kamera 2 Meter außen neben dem Fahrerfenster, eine profilige Nahaufnahme vom Fahrer. Ausgeleuchtet wurde der Greenscreen mit allen HMIs + Flos die wir hatten plus 1 6KW HMI extra. Zum Glück war den ganzen Dreh über Peter Hacker am Set, der die VFX und Farbkorrektur übernehmen sollte.
Nach drei Wochen intensivem Drehens hatten wir trotzdem nicht alles im Kasten ... und ein Jahr später haben wir noch mal 3 Tage Nachdreh angehängt!

Kopf oder Zahl:

Mit KOZ sah die Kamera-Logistik schon wieder anders: Der Film hat ca. 30 Motive!
In ein leerstehendes Asylantenheim bauten wir verschiedene Innen- und Außenmotive. Zwei Innenmotive sowie unser Ausstattungslager hatten wir in der Nähe des Bahnhofs. An diese Orte kamen wir immer mal wieder. Ansonsten waren wir sechs Wochen on Tour in und um Stuttgart. Immer den 7,5t LKW mit Licht, den fahrbaren Generator, den Steiger und einen Kamera/Bühnen-Sprinter dabei. Damit der Dreh einigermaßen reibungslos ablief bedurfte dies einer großen Anstrengung unserer Aufnahmeleiterin Ulla!

 

Unser gut ausgearbeitetes Storyboard gab uns sehr viel Sicherheit. Wir versuchten trotzdem, wenn das Motiv es anbot, zu improvisieren und die Auflösung zu verbessern. Außerdem brechen doch immer mal wieder kurz vor knapp Motive weg, so dass einem nichts anderes übrig bleibt als zu improvisieren. Aber auch da gibt das Storyboard Rückhalt.

Zum Glück habe ich schon oft mit Benjo und Timo gedreht, so dass wir von Anfang an einen flotten Drehrhythmus fanden.
Sehr oft wurde aus einer im Storyboard festen Einstellung eine bewegte ...


 

 

... da wir den Dolly sowie den flotten Matthieu immer am Start hatten.


 

 

Außen bauten wir in den Bildvordergrund und Hintergrund meist Schrottgegenstände und Street-Art-Gelöte, das in Stuttgart eigentlich nicht vorhanden ist. Auch hier wollte ich, dass man den Hauptcharakter - "die anonyme, dreckige Stadt" - in möglichst jeder Einstellung spürt. Wochenlang hatten wir an verschiedensten Motiven immer dieselben Schrottgegenstände zum Vordergrund und Hintergrund bauen, ich hoffe das fällt später im Film nicht auf!


 

 

Da wir den Steiger immer dabei hatten, haben wir die Innen/Tag Motive möglichst von Außen mit den 2 6KWs hart durch die Fenster geleuchtet. Innen mit Flos oder Styros so aufgehellt wie nötig.


 

 

Die Fenster sollten möglichst überstrahlen oder mit Vorhängen verhangen sein, so dass niemand bemerkt, dass wir uns gar nicht in der Großstadt befinden. Für eine kalte Morgengrauen-Stimmung habe ich ½ CTB (CTB: Folie zum ausgleichen von Kunstlicht auf Tageslicht, blau) auf die HMIs gegeben.


 

 


 

 

Bei Nacht/Innen haben wir es sehr ähnlich gemacht, aber WD (White Diffusion - milchige Frostfolie)+1/2 CTO (CTO: Folie zum ausgleichen von Tageslicht auf Kunstlicht, orange) Rahmen vor die 6KWs geklemmt, als Mondlicht. Weißabgleich der Kamera auf Kunstlicht. Aufgehellt möglichst überhaupt nicht, aber mit Flos das Führungslicht verstärkt. Außerdem mit Kunstlicht Flos (manchmal mit etwas CTO) die Selbstleuchter verstärkt. Da ich bei Außen/Nacht oft eine gelbe Effekt-Folie als Straßenlaternen-Licht benutzt habe, haben wir mit dieser Farbe manchmal auch in die Fenster geleuchtet.


 

 

Bei Tag/Außen haben wir versucht Kontrast herzustellen, indem wir die Schattenseite mit Molltonlatten abdunkelten.

Da wir keinen Kamera-Kran hatten, haben wir den Steiger für die wenigen Kran-Einstellungen benutzt. Kann ich sehr empfehlen!


 

 

Nach den sechs Wochen hatten wir in der Drehphase ca. 5 Szenen gestrichen, die uns unnötig erschienen und eine einzige Einstellung schlicht und einfach vergessen zu drehen.

Benjo, Timo und ich sind uns ziemlich ähnlich, was unseren Geschmack in puncto Beleuchtung und Bildästhetik angeht. Die Bilder sollten geheimnisvoll, mystisch, bedeutungsschwanger, verspielt, schmutzig, aussagekräftig, "mutig" sein. Starke Kontraste. Silhouetten. Hartes Licht. Wenig Aufhellung - eher Abdunkeln.


 

 

Die Bilder sollten den Film erzählen. Den Dialog haben wir schon in der Drehbuchphase so minimiert wie wir nur konnten. Die Handlung des Films sollte durch Aktion der Figuren, nicht durch "Blabla" voran getrieben werden – don't tell it, show it!

Post-Produktion


ABB:

 

Peter Koller und Benni Nolde haben den Film mit Adobe Premiere Pro geschnitten. Ich hab immer mal wieder die Rohschnitte angeschaut und mein Senf dazu gegeben.
Ich hoffe, dass Peter Hacker einen Postpro-Bericht schreibt, darüber wie er den ganzen Film gepostet hat. Auf jeden Fall alles mit After Effects.


 

 

Wir haben den Look besprochen (mutig kontrastiger Wüstenlook mit Bedacht auf die Tageszeiten) und Peter hat reingehauen.
Das Endprodukt gefällt mir vom Look unglaublich gut! Überhaupt finde ich's toll wenn das Endprodukt so ist, als wenn man das erste mal wieder das Drehbuch liest: Frisch und knackig! Super Arbeit Jungs!

KOZ:

Peter Lenkeit ist am schneiden. (So viele Peter!)...Lassen wir uns überraschen!


Marcus Stotz
www.marcusstotz.de

daniel
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04.05.07 21:41
Psychodad
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Blumensteckgelöte

hab grad fast mein lecker belegtes brötchen ausgespuckt vor lachen, haha, typischer stotzspruch! :))

cooler bericht, ohne viel gelaber auf die fakten beschränkt. sobald der herr koller aus thailand zurück ist werde ich mich mit ihm mal besprechen wegen einem allgemeinen postpro artikel, bzw. noch allgemein weiteren böse-boden-artikeln...
04.05.07 22:14
rebelman
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Auja,
danke markus, für diesen bericht, obwohl ich mir wünschte, er ginge über drei teile, und jeder einzelne wäre so lang wie dieser. viele interessante details fehlen. nAber das ist trotzdem echt mal mal klasse und im grunde genommen lang erwünscht :-)) danke.
deine lichtgedanken ... würd dich gern mal als oberbeleuchter mit dabei haben :-))) kamera darfst du auch halten lol :-)
- Frankie
05.05.07 10:38
schiller
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atecmovie
Geiler Bericht, besten Dank!


Quote:
Im Anhang gibts noch die komplette Licht-/Kamera-/Technik-Liste für beide Film


Hab ich die übersehen? Kann mir jemand sagen wo man diese Liste findet?


Gruss, Simon
05.05.07 12:11
neverdie
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Wenn die Menschen nur über Dinge reden würden, von denen sie etwas verstehen -
das Schweigen wäre bedrückend!

Robert Lembke
jo der anhang fehlt scheinbar?:)

super echt nice ist mal eine total andere sichtrichtung als die bisher erschienenen Berichte!

weiter so!

greetz
neverdie
05.05.07 12:41
Soeren
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yeah, h1 + mini35 rules! :-)

bis auf wenn unbemerkt die mattscheibe stehen bleibt..... :-D
05.05.07 13:15
Soeren
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ps: das einzige was mich an der h1 stört - der progressive/frame mode ist nur mit canon kompatibel, sprich wird von keiner anderen hdv cam/tapedeck ausgespielt! :-(
d.h. wenn man nicht direkt beim dreh per hd-sdi unkomprimiert bzw auf anderem medium aufzeichnet oder per firewire auf ein notebook (die anderen standalone appliences sind auch nicht mit dem progressive canon hdv stream kompatibel) aufnimmt muss man immer noch nach jedem drehtag/zwischendurch oder am ende des drehs min. 1 tag für die "digitalisierung" bzw das überspielen des materials in das schnittsystem einplanen.

oder auch wenn man das material dann von hdv band noch mal braucht - derzeit gibts nur die möglichkeit sich dann eine teure h1 zu leihen.. oder eine der zwei kleineren "schwestern" (die aber noch kein "professioneller" verleiher hat) ... grmpf... gepaart mit der tatsache das die bandlaufwerke von canon nicht gerade wartungsfrei sind und eh gerne zicken... argh ;)
bei unserem letzten projekt (imagefilm) war deshalb die lösung parallel per langem firewire kabel auf ein notebook aufzunehmen ganz praktikabel zumal man da auch die option hat das was aufgenommen wird in voller auflösung live zu kontrollieren (inkl. etwaiger kompressionsartefakte ;o)...

wie macht ihr das bei "KOZ" (übrigens tolle abkürzung ;o) ... hd-sdi? oder regelmäßig die bänder überspielen?

cheers
05.05.07 13:48
luke
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danke, danke, sehr interessanter bericht. gibts vielleicht später mal mehr?
05.05.07 13:55
schiller
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atecmovie
Quote:
ps: das einzige was mich an der h1 stört - der progressive/frame mode ist nur mit canon kompatibel, sprich wird von keiner anderen hdv cam/tapedeck ausgespielt! :-(


Ja das ist mühsam. Zumal da auch wieder einige Kopfstunden draufgehen...

@Soeren

Mit welcher Software zeichnet ihr das Material auf? Console von Canon oder direkt mit einem Schnittprogramm?
Haben das bisher immer mit iMovie gehandelt, das dafür ganz tauglich is.


Gruss, Simon
05.05.07 13:59
Soeren
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da es beim ersten mal eher eine ungeplante aktion war habe ich einfach den capture teil von vegas 7 benutzt, hat wunderbar funktioniert (hatte einen ausreichend großen puffer damit auch auf dem nicht ganz so schnellen älteren notebook nix verloren ging - im gegensatz zu anderen programmen die ich fix ausprobiert hatte) ... in zukunft wollte ich (h)dvrack / hdvsplit ausprobieren...
(alles natürlich win/pc only da ich keinen mac benutze ;o)
05.05.07 14:09
warboilt
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Ja, sehr geiler Bericht. Darf man fragen, welches Mount bzw. welche Optiken verwendet wurden? Ein PL-Mount? Weil ich dachte immer, dass man beim Mini35 nicht unter 20mm (Kleinbild) gehen sollte, da dann sogar beim P+S Hotspots auftreten (kenn das von den Nikkors). Also tippe ich mal auf "richtige" Filmlinsen :)

@Soeren: ja die Mattscheibe. Ich meine, ich hätte direkt am Anfang von ABB (Kotze und so...) mal einen Shot mit stehender gesehen... aber fällt so kaum auf (bzw. sicher nicht jedem). Sehr geile Kamera, v.a. die Sache mit dem Steadybag gefällt mir :)
05.05.07 14:16
Psychodad
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@warboilt: richtig, beim bösen boden sind im film locker 4-5 shots drin, wo die mattscheibe stehen geblieben ist - bei einem läuft sie mitten im shot sogar wieder an, hehehe... fällt zum glück nur recht wenigen auf, mit digiprojektion auf der 10m-leinwand hat man es erstaunlicherweise kaum noch beachtet. aber das ist bei den neueren versionen des adapters schon einiges besser laut stotz, bei kampfansage damals musste man ja immer noch ein extra knöpfchen drücken, damit der adapter gas gibt, so gab es da ne menge oh-gott-der-grain-steht-was-sollen-wir-tun-material! ;)
05.05.07 14:23
warboilt
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Ja richtig, seit dem Oszi 400 gibt es ein Remote-Kabel für den Lanc-Anschluss der Kamera... nur funktioniert der bei einer Z1 mal gar nicht *heul*. Bzw. ich raffs einfach nicht...

Hmhm... interessant. Bei den Optiken sind nicht 85mm dabei... hat das einen Grund oder braucht man die Brennweite einfach nicht?
05.05.07 14:27
daniel
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Hier findet ihr die komplette Technikliste:

http://www.hackermovies.com/cmsfiles/82 ... oz_abb.txt
05.05.07 14:39
Bandita
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STOTZEL, ich will ein Kind von dir!!!!!
05.05.07 14:39
schiller
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atecmovie
Quote:
Hier findet ihr die komplette Technikliste:


Thx, sehr interessant! Auch gut wenn mal mal selber Projekte in der Grösse macht :)
05.05.07 17:30
gorilla_films
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Na, jetzt bin ich aber total gespannt auf den Postpro Bericht und wie Ihr den Segio Leone Wüstenlook hinbekommen habt... Hoffe auf viele Vorher/Nachher Bilder.
05.05.07 17:40
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Hmm kann ich mich rausreden indem ich sage, dass ich leider alles vergessen habe was das Grading angeht?! *g*
05.05.07 18:09
schiller
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Location: Schweiz
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Hmm kann ich mich rausreden indem ich sage, dass ich leider alles vergessen habe was das Grading angeht?! *g*


Fauler Sack ;)
05.05.07 18:26
Psychodad
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Mein Hund hat den fertigen Postpro-Bericht gefressen!!
05.05.07 18:46
Peter Koller
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@warboilt

bei ABB hatten wir 16, 50, 100 und 200 (makro) brennweiten. 16mm hatte keinen hotspot, aber gegen die raender hin doch ne recht starke vignettierung.. wir haben uns in der post damit drum rumgeschummelt indem wir die vignettierung noch verstaerkt und somit zu unserem gunsten missbraucht haben ;) der kameraverleih hatte uns deswegen eh 'gewarnt' und meinte weiter als 18mm sollten wir nicht gehen.

lg, peter
05.05.07 18:49
Psychodad
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was machst du denn hier? wie spät ist's jetzt in thailand?? :D
05.05.07 18:55
Peter Koller
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23:54 ... Grillen, Froesche und Dschungelluft neben dem PC hier in der Lobby ohne Mauern ;)

PS: Gruesse von Mama (sitzt grad neben mir) :))
06.05.07 10:24
stotz
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moin leude! und gruß nach thailand!

das mit der vignettierung bei den weiten Optiken wird von jahr zu jahr besser! bei kampfansage damals war das bei der 12mm die hölle! bei der 16er bei ABB gings gerade so. Bei KOZ ist mir mit der 10er kaum noch was aufgefallen. P+S gibt sich Mühe! Die Optiken zwischen 16mm und 50mm finde ich eigentlich ziemlich normal/langweilig.

Wir hatten alles schön PL-Mount und ARRI-Zeiss Optiken. Ansonsten würde das Schärfeziehen kaum möglich sein!

Auf die 85mm verzichte ich, dachte ich. Ist ne schöne Optik mit Blende 1,3! Aber so n großer unterschied zur 100 ist da auch nicht. Man kann mit der 85 sehr nah ans Objekt gehen. Das ist gut. Wenn mehr Kohle da ist, nehm ich 85 auf jeden Fall au mit!

Welche interessanten details fehlen euch?
06.05.07 11:51
Soeren
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Joined: 28 Oct 2003
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mich persönlich würd nur die frage mit der aufzeichnung mit der h1 bei "koz" noch interessieren, wie ich weiter oben ja schon geschrieben hab ;)
und thx für den artikel!

was mir noch aufgefallen ist... wenn du die cam mit dem mini35 benutzt scheint dir (für schulter/hüfteinsatz) das so zu reichen wie es ist?! also du benutzt keine zusätzliche schulterstütze o.ä. .....
legst du zumindest ab und zu schaumstoff o.ä. "drunter"? find das auf dauer doch recht unbequem den mini35 leichtstützen teil so auf der schulter zu haben... ;)
06.05.07 12:46
warboilt
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Joined: 29 Dec 2004
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Jo, das mit dem Hüfteinsatz kann ich mir auch kaum vorstellen. V.a. wie kannst du nebenher dann auch noch die Schärfe ziehen? *Stress*
06.05.07 12:51
stotz
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Joined: 08 Jan 2004
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die banditen (produktionsfirma von koz) haben 2 xlh1 im büro! das heißt wir haben ganz normal frame-mode auf DV-tapes aufgenommen und mit ner anderen xlh1 eingecaptured.

die mini35+canon mit 19er rohren und arri-followfocus ist super für den handkamerabetrieb! aufs knie leg ich mir manchmal das steadybag, aber schulter geht so.

Ich fühl mich irgendwie besser, wenn ich jederzeit die hand am schärferad hab. deshalb hab ich schon lange keine arri-sr schulterstütze mehr benutzt.
06.05.07 14:45
Soeren
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Joined: 28 Oct 2003
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thx @ stotz.. ja ok wenn man immer zwei geräte vor ort hat ist der punkt natürlich eher nebensächlich.. wobei ichs trotzdem doof finde das es kein kompatibles tapedeck gibt...

wg. selber schärfe ziehen.. geht schon, aber dann ist die schärfe nicht unbedingt immer "perfekt".. ;) (aber das ist sie selbst bei hollywood produktionen auch nicht immer *g*)

mit der schulter das kann ich verstehen.. ich fands bisher ja auch ok, aber hab halt schon gedacht "hm das muss doch auch besser gehen".. so wirklich überzeugend fand ichs von der ergonomie noch nicht.. ;)
aber ich mag diese art zu arbeiten auch sehr gerne..
07.05.07 09:39
olipool
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Joined: 09 Oct 2003
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danke für den coolen bericht, ist mal ne ganz neue perspektive :-)

@psychodad
Quote:
Mein Hund hat den fertigen Postpro-Bericht gefressen!!

Egal, wir nehmen den auch, wenn er hinten wieder rauskommt! ;-)
07.05.07 16:38
skyhawk
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Joined: 11 Dec 2005
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Kamerarbeit bei KOZ und OEG
Um es mal in Dieter Bohlens Sprache auszudrücken: Das war supermäßig oberaffen granatenhammermäßig Geil.
Soviele Informarionen, die man normalerweise nicht bekommt. Selbst in den meisten Maiking of´s findet man sowas nicht. Das sind Infos, die einem Amateurfilmer interessieren. Schade, dass der recht lange Artikel (und vielen Dank für die ganz vielen schönen Bilder) doch so schnell zu Ende war.

Ich bin auch für ein Postpro-Bericht. Aber wenn schon denn schon und in diesem geilen Stil. Mit mindestens genau so vielen Infos. *Sabber*
Bitte tut es für uns und drückt euch nicht, sonst würden alle hier wahrscheinlich etwas ganz großes verpassen.
Bitte Bitte Bitte
Attachment:
1088801095shrek24.jpg


EDIT:
Sagt mal, wenn ihr soviele Geile Bilder hier zeigt, gibts da nicht noch mehr?
Macht doch ne Gallerie auf, wie bei Kampfansage, wo man sich alle Setpictures anschauen kann. Das wäre glaub für alle hier ne ziemlich geile Sache.


Und wann kann man die Filme eigentlich mal sehen.
Habt ihr da schon ne Richtung eingeschlagen oder wisst ihr immer noch nicht was ihr damit macht. Würde die gerne mal sehen.

Hoffe ihr macht ne DVD mit richtig viel und schönen Making of´s.

Gruß
07.05.07 16:56
Psychodad
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Joined: 01 Nov 2001
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vom bösen boden hab ich ca. 14 000 bilder vom set... keine ahnung wie viele es von koz gibt!

dvd wird's geben, jupp. mit viel bonus kram.
07.05.07 17:38
olipool
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Joined: 09 Oct 2003
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*hust*
dass das keinen spaß macht da ein paar rauszusuchen kann ich gut verstehen! :-))
07.05.07 17:53
skyhawk
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Joined: 11 Dec 2005
Posts: 73
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14.000 Bilder?!

Hattet ihr am Set etwa nichts zu tuen?=)

Hmm. Kann mir auch vorstellen, dass das nicht Spass macht gute raus zu suchen.
Aber mann kann ja einfach mal paar Online stellen. Wahllos bzw. einBlick raussuchen. Aber nur wenn Lust und Zeit da ist.

Gruß
07.05.07 22:42
Soeren
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Joined: 28 Oct 2003
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ok und wieviele sind es ohne deine ganzen titten/voyeurbilder??! ;)
07.05.07 23:48
Psychodad
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Joined: 01 Nov 2001
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@soeren:

... drei nullen mehr oder weniger - spielt doch keine rolle! :D
09.05.07 17:39
Xax
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Joined: 27 Jan 2003
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http://www.flickr.com/photos/bettina_e/ ... 522204107/

hier sind noch ein paar fotos vom ABB nachdreh

http://www.flickr.com/photos/xax/sets/7 ... 438556589/

hier sind ein paar vom KOZ dreh, wir haben insgesamt 4000 stück sowas, werden atm noch aussortiert, die banditen machen wohl zzt das selbe im büro ;) auf der koz seite gibts eh schon einigest zu sehen!

die meisten hat meine freundin bettina gemacht, aber ich kann euch ja mal paar raussuchen wo man vielleicht auf die lichtsetups sieht!

wenn das ok für den stotz ist, aber ich denke wohl auf jeden! :P
09.05.07 18:49
Soeren
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Joined: 28 Oct 2003
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hm.. stotz = ältere & dunkelhaarige version von psycho??! oder seh nur ich das so?! ;)
11.05.07 16:13
stotz
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Joined: 08 Jan 2004
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hau rein xax!
17.05.07 10:55
stotz
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Joined: 08 Jan 2004
Posts: 38
Location: Berlin
Hi Leute! Mir hat n Typ ne private mail geschrieben mit n paar fragen. ich dachte, dass mach ich öffentlich, da es mehr leute interessieren könnte. viel spass!

Typ: Ich habe dein Artikel aufmerksam gelesen und es war wirklich toll, solch ein inforeichen Text zu lesen.
Jedoch würde ich gerne noch ein paar Tipps, Tricks, Erfahrung im allgemeinen haben.(gerne auch mit Beispielen aus ABB oder KOZ)

Wie gehe ich vor dem Dreh vor, um schon dort ein Stil für den Film zu finden?

ich:

Ø Die 100 %ige, perfekte Lösung gibt es nie. Es ist alles sehr subjektiv. Welche Stimmung erzeugt das Drehbuch bei mir? Wie hab ich mir den Film im Kopf vorgestellt beim Lesen? Was ist das Grundthema des Films? (Liebe, Einsamkeit, Spannung, Humor, Rache,...) Was für Bilder passen dazu? Die eigenen Vorstellungen muss man dann natürlich mit Regisseur und Autor in Einklang bringen. Es kann sein, dass sie total andere Vorstellungen haben. Wenn man dann ne gemeinsame Vorstellung hat vom Stil muss man natürlich Szene für Szene, Einstellung für Einstellung vorausplanen um auch wirklich zu dem geplanten Ergebnis zu kommen.
Ø Oft kommt es vor das man einfach falsch dachte! Da sitzt man dann im Schnitt und denkt sich „Fuck! Hätten wir das doch anders gemacht!“. Ich glaub man muss viele Fehler mal gemacht haben um besser zu werden. Wie bei den meisten Sachen Leben wird man nur durch viel viel Übung und Praxis besser.


Typ: Was für Stilmittel gibt es im Film (einmal grob die allgemeinen : also so Farbe rausnehmen = Kriegsfilmstil oder dein angesprochenen Wüstenstil; und ein paar die dir sehr gut gefallen)?

ich:

Ø Im Endeffekt, geht es vor allen Dingen um: Schnell (viele Einstellungen – viele Schnitte) oder Langsam (wenig Einstellungen – wenig Schnitte – eher lange Plansequenzen), Hell oder Dunkel, Statisch oder Bewegt (Handkamera oder Dolly), Dicht (nahe Aufnahmen) oder Weit (eher Totalen und Halbtotalen).
Ø Es gibt so viele Filme auf der Welt. Es gibt so viele Stile. Man muss mit anderen Filmen vergleichen, sonst kann man schwer darüber diskutieren. Wenn man sagt :“Ich will ein Look wie „Siel mir das Lied vom Tod““ – weiß man was gemeint ist. Oder „Soldat James Ryan“. Jeder hat dann schon mal Bilder im Kopf. Da kann man damit arbeiten und diskutieren. Am besten man hat möglichst genaue Beispiele zum vorzeigen!
Ø Göttlich ist natürlich dann, wenn man vor dem Dreh die Möglichkeit hat möglichst viel zu testen.


Typ: Wie arbeite ich mit der Kamera richtig? (also was muss ich beachten? Wie entscheide ich, ob die Kamera ruckeln soll oder eine Fahrt machen soll? Wie entscheide ich aus welcher Perspektive und mit welcher Einstellung gedreht wird?)

ich:

Ø Im Notfall mehrere Varianten drehen. Kostet leider Zeit. Besser ist man weiß was man will. Eigentlich muss die Drehbuchszene den Kamerastil vorgeben. Wenn sich 2 Leute relaxt unterhalten und auf der Wiese sitzen würde ich nicht eine Kreisfahrt um die Beiden machen, sondern ruhige, klare, eher feste Bilder machen. Kommen aber jetzt z.B. irgendwelche Leute an, die die Beiden umbringen wollen o.Ä. muss Spannung aufgebaut werden. Da könnte man z.B. um die Beiden fahren oder auf die Beiden zu.
Ø Es gibt auch bei der Kadrage (unter- oder aufsichtig oder auf Augenhöhe, weitwinklig oder telig...) diverse Regeln. Es gibt Bücher darüber: „z.B.: „Die richtige Einstellung“ – kennst du bestimmt. Ich denke jeder Film der Welt ist aufschlussreicher als dieses Buch. Man muss die Filme nur genau anschauen, analysieren und vergleichen.
Ø Im Endeffekt muss man möglichst beim Dreh den Kopf frei haben, auf den Monitor schauen und sagen: “Das ist es.“ Oder „Da stimmt noch was nicht. Was genau?“

Typ: Wie arbeite ich mit Licht? Woher weiß ich dass das Licht gut gesetzt ist und wie trage ich mit dem Licht zum Stil bei?

ich:

Ø Auch hier gibt es keine 100%ige Lösung. Alles Geschmackssache. Beim Licht braucht man sehr sehr viel Erfahrung um einigermaßen schnell und präzise damit arbeiten zu können. Außerdem muss man die ganzen Gerätschaften kennen und was sie für Licht machen. Meiner Meinung nach sind die meisten Filme zu unmutig geleuchtet. Zu aufgehellt. Für mich muss in jedem Bild weiß und schwarz sein. Kontrast ist das wichtigste, finde ich. Ob in Farben oder Helligkeit. Die meisten Regisseure haben immer Angst, das man die Gesichter nicht genau sieht. Schwachsinn finde ich. Die sollen sich mal „In the Mood for Love“ oder „K-Pax“ anschauen! Ganz oft von Dialoge hinten gefilmt oder die Gesichter im schwarz. Das macht dem Zuschauer viel mehr Spaß zu sehen. Mir zumindest. Aber ich hab da glaube ich ne extreme Meinung. Ich versuche immer den Film möglichst Abseits von Gesichtern zu erzählen. Auf jeden Fall beim Dialog. Die Gesichter kommen sowieso noch oft genug vor im Film.
Ø Wichtig ist einfach ne sehr starke Meinung zum Bild. Man muss wissen was man will.


Typ: Wie arbeite ich mit Requisiten? Was ist zu beachten (Beispiel: viele Requisiten bringen diese Stimmung, wenig Requisiten diese Stimmung)

ich:

Ø Man muss unterscheiden zwischen Ausstattung und Spielrequisiten. Die Spielrequisiten sind im Buch ja schon vorgegeben.
Ø Es muss ein schönes Gesamtbild geben. Die Farben des Films werden hauptsächlich durch die Ausstattung gemacht. Danach kommt erst das Licht. Da gibt es auch wieder 1000 Möglichkeiten. Was sagt das Buch? Welche Stimmung wollen wir? Man kann Räume einfarbig, bunt, voll, leer,....machen. Was passt zu unserer Szene am besten nach unserem Geschmack?
Ø Was ich interessant finde, sind metaphorische Symbole ins Bild zu bringen. Z.B.: Wenn jemand z.B.: Gefangen in sich selbst ist, ihn durch Zaun oder Gitterstäbe zu Filmen,...Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt.


Typ: Was gibt es sonst noch für Tips, die man beachten sollte um die Kamera und Quali in einem Film zu verbessern?

ich:

Ø Viele viele Filme drehen und mutig sein!
Ø Immer wieder über die Planung gehen. Viele möglichen Varianten durchdenken. Wie will ich meine Szene sehen auf der Leinwand?


Typ: Wie mache ich ein Film interessanter?

ich:

Ø Ein gutes Drehbuch haben, dass man verschlingt wie einen guten Roman. So wenig Dialog und so viel interessante Handlung wie möglich. Am besten viele krasse Wendungen!
17.05.07 11:33
rebelman
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Joined: 08 Feb 2004
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Danke für die schöne Ergänzung :-)) Kann man zwar auch mit gesundem Menschenverstand drauf kommen, aber schön zu lesen :-)

Quote:
Meiner Meinung nach sind die meisten Filme zu unmutig geleuchtet. Zu aufgehellt. Für mich muss in jedem Bild weiß und schwarz sein. Kontrast ist das wichtigste, finde ich. Ob in Farben oder Helligkeit.


Das wichtigste in dem Satz: Meiner Meinung nach ....
Genau das ist es. Vorlieben für Bildeindrücke sind absolut subjektiv. Da hat jeder einen ganz anderen Wohlfühl-Eindruck. Man muss dann selbst entscheiden, ob man für die Kamera den eigenen Wohlfühl-Eindruck durchsetzt, oder sich eher an Massen-Richtlinien orientiert. Mit letzterem ist es sicher eher einfacher einen Job zu bekommen. Mit ersterem kann es passieren, daß die Bilder abgelehnt werden, wenn sich der eigene Eindruck nicht mit dem Zuschauer-Geschmack deckt. Oder der eigene Eindruck deckt sich mit dem was der Zuschauer erwartet oder akzeptiert. Dann hat man Glück gehabt.
Ich persönlich mag auch starke Kontraste aus dem Film-Noir, und Farben von Technicolor aus den 60ern ... :-))) Das ist mein Wohlfühl-Eindruck. Und das bringt mir dann auch leicht Kritik ein, wie z.B. hier säuft etwas in schwarz ab, oder hier überstrahlt aber die Kante. ... Das kann passieren, wenn ich Farbe und Helligkeiten am Gesamtbild ausrichte. Bei dem aktuellen Verweis auf den Slashcam Artikel (Interview) zur Lichtsetzung (der auch ziemlich geil ist), plädiert der Leuchter z.B. dafür im Schwarzbereich, Schwarzes gegen Grau abzusetzen, weil er meint, daß ein Bild dadurch interessanter wird. Ich persönlich würde mich nicht scheuen, Schwarzes in Schwarz absaufen zu lassen, wenn der Kontrast entsprechend dramatisch wird.

An der Stelle tatsächlich mal die Frage, ob es hier jemanden im Forum aus Berlin gibt, der mit mir als Oberbeleuchter zusammenarbeiten würde. So für die nächsten zwei Jahre oder sowas. Gemeinsam Projekte auswählen, planen besprechen, Drehbuch entwickeln und praktisch umsetzen. Erst einmal als lockere Zusammenarbeit, und bei konkretem Projekt, dann eben konkret. Und das im NoBudget Bereich.
Schönen Vatertag euch allen.
- Frankie
30.05.07 10:15
Psychodad
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Joined: 01 Nov 2001
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Weil sich die Spamroboter schon streiten, wer als erster diesen Thread zumüllen darf, mach ich hier mal dicht.
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