Hi liebe HM Leser!
Ich bin Marcus Stotz, der DOP von "Kampfansage - Der letzte Schüler", "Auf Bösem Boden", "Kopf oder Zahl" und so einigen anderen Sachen. Und natürlich auch HM-User ;) Schon lange wollte ich mal einen technischen Bericht über Dreharbeiten von Spielfilmen aus meiner Sicht als DOP machen, da anscheinend sehr viel Nachfrage danach besteht – jetzt endlich ist es soweit!
Oft lese ich: "Was für Equipment wurde da benutzt?" oder "Was sind die Tricks für euren Look?"...
Tja, letztlich ist das eine einfache Frage mit einer einfachen Antwort: Bei jedem Film benutzt man ähnliches Equipment. Man steht immer wieder vor den selben Problemen. Es gibt keine Spezial-Lösungen.
Das bringt Euch natürlich auch nur philosophisch weiter, deshalb will ich mit diesem Artikel das Handwerk eines DOP von der praktischen Seite schildern.
Eigentlich gilt zunächst immer wieder ein Allgemeinplatz – der Euch aber wahr und Euch erste Faustregel ist: Man muss sich jede Einstellung vorher ausdenken. Man muss sich immer wieder Einstellung für Einstellung Gedanken machen wie man sie aufbaut und leuchtet. Man braucht immer wieder Leute, die wissen, wie man das Gewollte in der Post-Produktion zum Endergebnis umsetzt. Egal welches Equipment man benutzt. Jeder kennt eine DV-Kamera. Jeder kennt After-Effects. Man muss nur lernen, damit kontrolliert umzugehen. Und wie man eben das, was man sich für den konkreten Shot gedacht hat, erreichen kann. Und wie man das alles letztlich aus der Geschichte heraus entwickelt.
Bei "Kampfansage - Der letzte Schüler", "Auf Bösem Boden" und "Kopf oder Zahl" hatten wir sehr ähnliches Equipment und standen vor ähnlichen Problemen.
Diese Artikel soll Euch anhand der letztes beiden Filme einen groben Blick über die story- und look-orientierte Kamera-Arbeit geben.
Pre-Produktion:
1. Drehbuchanalyse / filmische Auflösung
Das wichtigste am visualisieren eines Spielfilms ist die Liebe zum Buch.
Bei "Auf Bösem Boden" (ABB) war mir nach einer Seite lesen klar: Ich will dieses Ding drehen! Ich hab noch nie so gelacht beim Lesen eines Drehbuchs! Peter Koller ist ein guter Regisseur, aber vor allem ein begnadeter Autor, wie man ja in seinen Berichten absolut merkt!
Bei "Kopf oder Zahl" (KOZ) hab ich von der Treatment-Phase bis zur Dreh-Version des Buches eng mit Michael, Benjo und Timo zusammen gearbeitet. Ich kannte das Buch sozusagen fast auswendig.
Szenische Auflösung ABB:
Die Auflösung des Buches in Einstellungen war bei ABB eine sehr kurze Angelegenheit. Eine Woche vor Dreh landete ich in Wien ein und traf Herr Koller zum ersten mal!
Er hatte schon eine Art Storyboard beisammen, das aber sehr kryptisch und kompliziert war. Also begann ich innerhalb von einer Woche das ganze im Schnelldurchlauf von vorne aufzulösen und mit Peters Vorstellungen zu vereinen. Zum Glück kamen wir immer schnell auf einen gemeinsamen Nenner. Ich glaube zu 70% kamen wir damit bis zum Drehbeginn durch. Der Rest musste am Set improvisiert werden. Was eigentlich kein größeres Problem darstellte, da das Team nach meiner Erfahrung nach ca. einer Woche einen Dreh-Stil drauf hat, der fast wie von alleine abläuft. Was sehr hilft beim Auflösen ist der Vergleich mit anderen Filmen. Peter zeigte mir "Army of Darkness". Wir lachten uns krumm und dachten: "So'n Scheiß wollen wir auch!" Da wurde mir auch glasklar in welche extreme Richtung der Film gehen soll. Auf der anderen Seite natürlich ganz klar der sonnige "Sergio Leone – Wüstenlook" gepaart mit trockenem, langsamen Kitano-Charakter.
In jedem Film gibt es das wichtigste Element. Meistens steckt es schon im Titel des Films. In ABB ganz klar: "der Boden".
Der ganze Film dreht sich nur um dieses Grundstück, das alle verrückt macht. Also wollte ich dies so weit es geht zur Regel/Dogma machen. Ich finde es sehr wichtig technische Grundregeln zu machen um dem Film einen einheitlichen Look zu geben. Meine Idee war möglichst alles von Bodenhöhe/Froschperspektive zu schießen. Man sieht den Film aus der Sicht des Hauptcharakters: dem Boden. Peter fand die Idee super! Außerdem ist die erste Einstellung des Films (die Einstellung die den ganzen Film metaphorisch "auf den Punkt" bringen soll) der Boden, der vollgekotzt wird.
Es ist auch gut möglich Vordergründe hinzustellen, die etwas erzählen und dem Bild Tiefe zu geben. Dramaturgisch hab ich mir bei ABB gar nicht so viel Gedanken gemacht. Das wichtigste war eigentlich jede Szene so extrem oder witzig wie möglich zu gestalten. Immer voll auf die 12! Um Charakter- oder Storybogen haben wir uns wenig gekümmert.
Zum Glück waren die Dreh-Motive bei ABB schon vorher einigermaßen geklärt - obwohl ich nach meiner Ankunft am Motiv erstmal ein Riesen-Remmidemmi veranstaltet habe ... die Ausstatter hielten mich, glaube ich, erst mal für verrückt, als ich Anweisungen gab, dass diverse Räume blutverspritzt sein mussten...
...außerdem wollte ich, dass viele Gegenstände in den Raum gestellt werden, damit ich mit der Kamera dahinter und sie als Vordergrund nutzen kann. Das Fabrikgelände war zwar alt, dreckig und voll mit schrägem Schnickschnack, aber für einen Film wie diesen muss es halt doch 500% übertrieben und alles wild verteilt werden, um in möglichst jeder Einstellung den Charakter des Geländes zu spüren. Wir haben das Gelände erst mal kräftig auf den Kopf gestellt! Ganz zum Leid von Peters Opa.
Szenische Auflösung KOZ:
Bei KOZ sah das ganz anders aus. Ich hatte 6 Wochen Vorbereitung im Banditen-Büro. Rechner an Rechner zum Produktionsleiter Alex Schmidt und den beiden Storyboardern. Genau so lange wie der Dreh selbst. Dies war von großem Vorteil, denn wir wollten den Film dramaturgisch durchgestalten! Zwei Wochen mehr wären noch besser gewesen, aber man hat wahrscheinlich nie genug Zeit, sich perfekt vorzubereiten! Außerdem hatte ich zwei Praktikanten zur Verfügung, die heiß darauf waren Storyboard zu zeichnen. 1000 Dank an Jonas und Nicole!!
Ich konnte also ganz grundlegend beginnen, jede Szene auseinander zu nehmen:
1. Was passiert vordergründig in der Szene (Was wird im Dialog behandelt?)
2. Um was geht es wirklich in der Szene über das nicht gesprochen wird?
3. Auf welche Szene bezieht sich die Szene? Wo steht die Szene im zeitlichen Ablauf des Films?
4. Welche Figur ist die Hauptfigur in der Szene?
5. Wie gehe ich mit dem Charakterbogen der Hauptfigur im Bezug zum Rest des Films um?
6. Welche Stimmung und Geschwindigkeit soll die Szene bekommen? Wie setze ich dies um in Licht, Kamerabewegung und Perspektive?
7. Welche wichtigen Details gibt es in der Szene? (Requisiten, Maske, Kostüm,...)
8. Weiß ich schon was für ein Ton/Musik die Szene bekommen soll?
9. Ist die Szene so interessant wie wir sie uns vorstellen? Will ich sowas in einem Film sehen? Wie kann man sie zur Spitze/auf den Punkt bringen?
So kam ich dem Drehbuch noch viel näher, als ich überhaupt schon war. Natürlich immer im Blick den Film als Ganzes nie zu vergessen. Man sollte auch immer an Kontraste denken, die den Film meiner Meinung nach interessant machen und Drive geben. Auf eine langsame Szene sollte möglichst eine schnelle folgen, auf eine ruhige eine laute, auf eine dunkle eine helle ...
Ich hab dann den Zeichnern meine Erklärungen und Strichzeichnungen vorgelegt und ihnen jede Einstellung genau erklärt damit sie loslegen konnten.
Vor allen Dingen musste ich den Beiden die Wirkung von Objektiven erklären. Was macht eine 10mm Optik mit dem Bild, was eine 100er und 200er. Was macht eine 10er Optik, wenn die Kamera auf Bodenhöhe ist oder in einer anderen Höhe? Oft mussten wir Zeichnungen wiederholen, weil das ganz schön knifflig war. Und im Nacken immer Timo und Benjo, die eigentlich nie mit irgendetwas zufrieden sind! Beim Drehbeginn hatten wir ein Storyboard für den kompletten Film von ca. 360 Seiten.
Parallel dazu war mein Hauptjob, die Dreh-Motive zu suchen.
Der Hauptcharakter in KOZ ist "die anonyme Großstadt". Wie soll man in Stuttgart eine Großstadt erzählen?? Durch hartnäckiges suchen fanden wir dann doch n paar ganz nette Motive. Obwohl wir sehr eingeschränkt waren und bloß nicht zu weit rechts oder links schwenken durften, weil’s dann schon wieder nach Schwabenländle aussah.
Ein Grundsatz unseres Kamera-Konzepts war: Grau ist unsere Hauptfarbe, Grün wird eliminiert! Das durchzuziehen haben wir sogar wirklich geschafft! Ich glaube in dem ganzen Film sind zwei Bäume zu sehen. Auch bei diesem Film wollte ich viele Vordergründe einbauen und die Stadt spürbar machen! Für die komplette Ausstattung, Farbkonzeption und Umsetzung war natürlich die enge Zusammenarbeit mit Markus Wollersheim + Team unerlässlich. Die meisten Innenmotive wurden in leerstehenden Wohnungen/Büros/Asylantenheim gebaut. Die Außenmotive in Stuttgart haben wir meist mit Müll und Street-Art Elementen verziert.
Was ich bei beiden Filmen nicht vergessen darf, ist die enge Zusammenarbeit mit dem Kostüm- und Maskenteam! Sie wichtiger Teil des Bildes! Beides muss zur Ausstattung passen.
Zum Glück haben wir noch eine Woche Stadtaufnahmen in Berlin eingeplant. Ohne diese würde der Film nie nach Großstadt aussehen!
Auch bei KOZ habe ich mir viele Filme als Referenz ausgesucht. "Collateral", "K-Pax", "Insider", "L.A. Crash", "Matchstick Men", "Man on Fire", "München", "24", "Running Scared" und "21 Gramm" waren große Einflüsse. Hohe Messlatte im Ländle!
Technik
Kamera:
Da ich mit dem P+S Mini35 Adapter sehr viel Erfahrung habe und es eigentlich für eine hervorragende Alternative zu 35mm halte (solange man auf einem Monitor bleibt), wurden beide Filme damit gedreht. Es ist billiger als 16mm. Im Kino wird’s halt n bissle pixelig. Da muss man durch! Aber ich finde Filme leben länger in der Videothek als auf der Leinwand! Am Ausspiegelungs-Monitor sieht man auch wirklich das exakte Bild, das aufgezeichnet wird.
Die verwendeten Kameras:
Bei ABB : Canon XL-2
Bei KOZ : Canon XLH-1

Ich finde Mini35 mit den Canons besser handlebar als mit Sony oder Panasonic. Aber wahrscheinlich ist das Geschmackssache. Da man bei den grossen Canons die Optik abnehmen kann und den Adapter direkt ankoppeln kann, ergibt sich eine kompakte Kamera, mit der man frei arbeiten kann. Das System geht gut zusammen mit den ganzen ARRI-Teilen: Follow-Focus, MB, LMB, Bridge-Plate, 19er Rohre,...
Ich hatte bei beiden Filmen ähnlich Optiken benutzt:
ABB: 16mm (f.2.1), 50mm(f.2.1), 100mm(f.2.1), 200mm Macro(f.4.3)
KOZ: 10mm(f.2.1), 25mm(f.1.3), 50mm(f.1.3), 100mm(f.2.1), 200mm Macro(f.4.3)
Bei KOZ wollte ich mit der 10er noch n Schritt extremer werden, aber die 25er war als Kompromisslösung dabei. Sie sollte möglichst nicht eingesetzt werden!
Die Kameras waren so neutral wie möglich eingestellt. Weißabgleich: nur Tages- oder Kunstlicht-Preset. 25P. 16:9. Das 1:2,35 Bild kaschen wir in der Post ab! Gut: Ab der XLH1 gibt es einen 1:2,35 Guide im Display!
Bei ABB hab ich noch einen Beta-Schwarz-Weiß-Sucher benutzt, bei KOZ nicht mehr - der Sucher der XLH1 ist super!
ABB habe ich komplett selbst geschärft - haarige Angelegenheit! Aber es macht eigentlich sehr viel Spaß, mit der Schärfe und Handkamera zu spielen! Kann ich nur empfehlen!
Bei KOZ war zum Glück Nico Müggenburg als Kamera-Assi dabei, er hat einen genialen Job gemacht!
Licht
Bei dem Licht-Equipment will man natürlich immer ne große Grundausrüstung dabei haben, die nach dem ersten Angebot vom Verleiher runtergekürzt werden muss, weil viel zu teuer!
Bei ABB hatten wir gleich ne ziemlich kleine Liste, die aber dann doch funktioniert hat. Unsere größte Lampe war eine 4KW HMI Par. Für 2-3 Nächte eine 6KW HMI extra. An einen Steiger Kran war nicht zu denken!
Bei KOZ hatten wir 2 6KW Par HMIs und den ganzen Dreh einen fahrbaren Generator und Steiger dabei. Tolles Spielzeug! Damit hat man, vor allem bei Nacht, die besten Möglichkeiten!
Bei ABB waren immer ca. 3 Beleuchter am Start.
Bei KOZ waren durchgehend 1 Oberbeleuchter + 3-4 Beleuchter beschäftigt + 1 Dolly-Schubser. 1000 Dank an Euch!
Wen es interessiert: Im Anhang gibts noch die komplette Licht-/Kamera-/Technik-Liste für beide Filme.
Dreh
Auf Bösem Boden:
In Peters Bericht steht "...der Dreh und das unmittelbare Davor und Danach müssen ein einziger langer Tag gewesen sein, an dessen Ende er über sechzig DV-Bänder mit bewegten Bildern in seinen Händen hatte". In der Tat vergeht ein Dreh wie im Rausch. Wenn man eine Einstellung aufbaut, hat man die vorhergehende schon wieder vergessen und für alle Ewigkeit abgehackt. Was man so penibel in wochenlanger Arbeit geplant hat wird innerhalb von Minuten runtergerattert. Übrig bleibt eine Erinnerung an eine intensive, kreative Zeit mit coolen Leuten und wenig Schlaf.
Ich habe den ganzen Film aus der Hand (Schulter, Knie, frei getragen) oder vom Boden mit dem Steadybag (mein Lieblingsstativ! - ein Sack gefüllt mit kleinen, leichten Kügelchen zum ausrichten der Kamera auf einer Fläche) geschossen.
Ich bin ein großer Freund von Bildvordergründen, weil ich denke, dass der Vordergrund immer etwas erzählt. Von der Requisite habe ich mir so Blumensteckgelöte besorgen lassen, um Gräser oder sonstiges schön vor der Kamera drapieren zu können. Innen hab ich mir ausgewählte Ausstattungsgegenstände Bild für Bild in den Vordergrund oder Hintergrund gebaut. Ich wollte dass man das "böse" Grundstück in möglichst jeder Einstellung spürt. Oft gibt das Ärger mit der Continuity, weil ich wild Gegenstände im Raum verstelle oder die Sitzwinkel der Darsteller ändere, aber bis jetzt ist es mir kaum in meinen Filmen negativ aufgefallen.

Außer bei Nacht mussten wir eigentlich immer mit "Available Light" drehen. Zum Glück schien fast die ganze Zeit die Sonne!
Außen haben wir den 12x12 Butterfly-Rahmen (ca. 4mX4m Rahmen auf Stativen mit diversen Besonnungen) meist mit ¼ Silk-Bespannung (leichte, weiße Seide) benutzt, um die direkte Sonne etwas zu soften. Ansonsten kamen große Styroporplatten und Silberfische ins Spiel. Wenn der Himmel mal bedeckt war haben wir einfach trotzdem gedreht, da wir die Zeit nutzen mussten. Die Farbkorrektur sollte es retten!
Innen haben wir oft im ersten Stock gedreht, an den wir mit keinem Stativ herankamen, und ein Steiger-Kran war auch nicht da. Das Sonnenlicht von Außen musste genügen. Aufhellen und Führung wurden innen mit HMI’s und Flos verstärkt, dadurch bekamen die Bilder einen interessanten Studiolook. Im Erdgeschoss haben wir natürlich schön die 4KW Par HMI durch’s Fenster gelötet.
Die Nacht haben wir pur mit HMIs (Tageslicht-Lampen) geleuchtet. Der Weißabgleich an der Kamera stand auf Kunstlicht. Peter mochte das klischee-80er-blau.
Da wir den ganzen Film auf und um das Gelände gedreht haben, hatten wir fast Studio-Bedinungen. Nach der ersten Woche übernachtete das halbe Team ums Lagerfeuer im Garten der Fabrik. Wir wohnten sozusagen im Motiv!
Die Autoszenen drehten wir vor einer 12x12 Butterfly mit Greenscreen-Bespannung. Das Schöne an Greenscreen Aufnahmen ist, dass man Einstellungen machen kann, die in Realität nicht drehbar wären. Z.B.: Mit der 200er, Kamera 2 Meter außen neben dem Fahrerfenster, eine profilige Nahaufnahme vom Fahrer. Ausgeleuchtet wurde der Greenscreen mit allen HMIs + Flos die wir hatten plus 1 6KW HMI extra. Zum Glück war den ganzen Dreh über Peter Hacker am Set, der die VFX und Farbkorrektur übernehmen sollte.
Nach drei Wochen intensivem Drehens hatten wir trotzdem nicht alles im Kasten ... und ein Jahr später haben wir noch mal 3 Tage Nachdreh angehängt!
Kopf oder Zahl:
Mit KOZ sah die Kamera-Logistik schon wieder anders: Der Film hat ca. 30 Motive!
In ein leerstehendes Asylantenheim bauten wir verschiedene Innen- und Außenmotive. Zwei Innenmotive sowie unser Ausstattungslager hatten wir in der Nähe des Bahnhofs. An diese Orte kamen wir immer mal wieder. Ansonsten waren wir sechs Wochen on Tour in und um Stuttgart. Immer den 7,5t LKW mit Licht, den fahrbaren Generator, den Steiger und einen Kamera/Bühnen-Sprinter dabei. Damit der Dreh einigermaßen reibungslos ablief bedurfte dies einer großen Anstrengung unserer Aufnahmeleiterin Ulla!
Unser gut ausgearbeitetes Storyboard gab uns sehr viel Sicherheit. Wir versuchten trotzdem, wenn das Motiv es anbot, zu improvisieren und die Auflösung zu verbessern. Außerdem brechen doch immer mal wieder kurz vor knapp Motive weg, so dass einem nichts anderes übrig bleibt als zu improvisieren. Aber auch da gibt das Storyboard Rückhalt.
Zum Glück habe ich schon oft mit Benjo und Timo gedreht, so dass wir von Anfang an einen flotten Drehrhythmus fanden.
Sehr oft wurde aus einer im Storyboard festen Einstellung eine bewegte ...
... da wir den Dolly sowie den flotten Matthieu immer am Start hatten.
Außen bauten wir in den Bildvordergrund und Hintergrund meist Schrottgegenstände und Street-Art-Gelöte, das in Stuttgart eigentlich nicht vorhanden ist. Auch hier wollte ich, dass man den Hauptcharakter - "die anonyme, dreckige Stadt" - in möglichst jeder Einstellung spürt. Wochenlang hatten wir an verschiedensten Motiven immer dieselben Schrottgegenstände zum Vordergrund und Hintergrund bauen, ich hoffe das fällt später im Film nicht auf!
Da wir den Steiger immer dabei hatten, haben wir die Innen/Tag Motive möglichst von Außen mit den 2 6KWs hart durch die Fenster geleuchtet. Innen mit Flos oder Styros so aufgehellt wie nötig.
Die Fenster sollten möglichst überstrahlen oder mit Vorhängen verhangen sein, so dass niemand bemerkt, dass wir uns gar nicht in der Großstadt befinden. Für eine kalte Morgengrauen-Stimmung habe ich ½ CTB (CTB: Folie zum ausgleichen von Kunstlicht auf Tageslicht, blau) auf die HMIs gegeben.
Bei Nacht/Innen haben wir es sehr ähnlich gemacht, aber WD (White Diffusion - milchige Frostfolie)+1/2 CTO (CTO: Folie zum ausgleichen von Tageslicht auf Kunstlicht, orange) Rahmen vor die 6KWs geklemmt, als Mondlicht. Weißabgleich der Kamera auf Kunstlicht. Aufgehellt möglichst überhaupt nicht, aber mit Flos das Führungslicht verstärkt. Außerdem mit Kunstlicht Flos (manchmal mit etwas CTO) die Selbstleuchter verstärkt. Da ich bei Außen/Nacht oft eine gelbe Effekt-Folie als Straßenlaternen-Licht benutzt habe, haben wir mit dieser Farbe manchmal auch in die Fenster geleuchtet.
Bei Tag/Außen haben wir versucht Kontrast herzustellen, indem wir die Schattenseite mit Molltonlatten abdunkelten.
Da wir keinen Kamera-Kran hatten, haben wir den Steiger für die wenigen Kran-Einstellungen benutzt. Kann ich sehr empfehlen!
Nach den sechs Wochen hatten wir in der Drehphase ca. 5 Szenen gestrichen, die uns unnötig erschienen und eine einzige Einstellung schlicht und einfach vergessen zu drehen.
Benjo, Timo und ich sind uns ziemlich ähnlich, was unseren Geschmack in puncto Beleuchtung und Bildästhetik angeht. Die Bilder sollten geheimnisvoll, mystisch, bedeutungsschwanger, verspielt, schmutzig, aussagekräftig, "mutig" sein. Starke Kontraste. Silhouetten. Hartes Licht. Wenig Aufhellung - eher Abdunkeln.
Die Bilder sollten den Film erzählen. Den Dialog haben wir schon in der Drehbuchphase so minimiert wie wir nur konnten. Die Handlung des Films sollte durch Aktion der Figuren, nicht durch "Blabla" voran getrieben werden – don't tell it, show it!
Post-Produktion
ABB:
Peter Koller und Benni Nolde haben den Film mit Adobe Premiere Pro geschnitten. Ich hab immer mal wieder die Rohschnitte angeschaut und mein Senf dazu gegeben.
Ich hoffe, dass Peter Hacker einen Postpro-Bericht schreibt, darüber wie er den ganzen Film gepostet hat. Auf jeden Fall alles mit After Effects.
Wir haben den Look besprochen (mutig kontrastiger Wüstenlook mit Bedacht auf die Tageszeiten) und Peter hat reingehauen.
Das Endprodukt gefällt mir vom Look unglaublich gut! Überhaupt finde ich's toll wenn das Endprodukt so ist, als wenn man das erste mal wieder das Drehbuch liest: Frisch und knackig! Super Arbeit Jungs!
KOZ:
Peter Lenkeit ist am schneiden. (So viele Peter!)...Lassen wir uns überraschen!
Marcus Stotz
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