Richtig beleuchten (Nachts) - was ist zu beachten?!

GonzoDesign

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4 Beiträge seit Mai'12

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Forum-Beitrag von GonzoDesign am 13.05.2012

Beitags-Art: 
Präsentation
Niveau: 
1 - Grundlagen

Hi
Bin neu unter den Filmemachern und daher auf einige Hilfe angewiesen.
Lese mich bereits fleißig durchs Forum und dennoch brennt mir eine Frage im NAcken.
Bisher habe ich überwiegend tagsüber gefilmt aber würde mich jetzt gerne in die Nacht wagen.
Dazu bin ich auf der Suche nach guten und GÜNSTIGEN Ideen für die richtige Beleuchtung in der NAcht.
Hier gehts vorallem um die Beleuchtung von Menschen und Autos...
Gerne auch nur die Beleuchtung von Teilen (z.B nur eine Hälfte des Gesichtes ??)
Leider ist man als Student immer etwas klamm und daher würd ich auch selber basteln
Dachte vielleicht an Neonröhren (kaltes Licht für Autos) und Strahler mit warmem Licht für Räume

Würde mich über Unterstützung freuen!

Gruß
GonzoDesign

Antworten

Hallo GonzoDesign
Je nach dem wo und wieviel Du beleuchten musst wird's haarig. Wenn Du nur eine kleine Fläche hast, geht's auch mit überschaubaren Mitteln und notfalls ohne Stromanschluss. Sobald es grossflächig sein muss, brauchst Du meist richtig Power (im Sinn von vielen kW und entsprechenden Stromleitungen). Je nach dem ist da Day for Night eine Option. Ist aber nicht ganz einfach hinzukriegen, insbesondere wenn Himmel im Bild ist.
Ganz allgemein ist Nachtbeleuchtung (also alles was nicht menschgemachte Lichtquellen die Teil der Szene sind ist, also der "Mond") immer bläulich. Dafür aber keine (zumindest keine normalen) Neonröhren, denn die sind grünlich und haben ein grässliches Farbspektrum. (KinoFlos oder so sind was anderes, die haben eine saubere Frabtemperatur.) Am einfachsten ein normaler Scheinwerfer mit CTD ("Convert to Daylight" / "blau") Filter. Dann den Weissabgleich auf Kunstlicht, und schon ist der "Mond" schön bläulich. Und "echte" Kunstlichtquellen (Strassenlaternen etc) sind brav "orange".
Nachtaufnahmen tut typischerweise Kontrast gut, dh die Darsteller und wichtige Bereiche der Szenerie dürfen durchaus "unnatürlich hell" sein, anderes darf auch komplett "schwarz" sein. ("Pools of Light") Dabei darf das Licht durchaus auch hart sein, ein Diffusor ist also keineswegs Pflicht. Das "Mond"licht muss natürlich sauber von einer Seite kommen, andere Lichtquellen können natürlich noch anderes Licht liefern. Einseitig beleuchtete Gesichter ergeben sich somit typischerweise fast von selbst, da musst Du dann sogar schauen, dass die andere Hälfte nicht komplett "absäuft".
Baufluter tun's durchaus, aber "richtige" Scheinwerfer machen typischerweise mehr Spass beim Einleuchten. Bei Fläche willst Du wie gesagt möglichst grosse Einzelscheinwerfer (ideal, aber glaub' ich nicht sonderlich erschwinglich, wären wohl die "Lichtballone", die sind wie's aussieht super Grossflächenleuchten), denn bei mehreren kleineren kriegst Du schnell Probleme mit Mehrfachschattenwurf wenn sie nicht stark diffusiert sind. Und wie gesagt, eine Starkstromleitung wirkt Wunder ;-) Und Du brauchst recht lange zum Einleuchten, zumindest bei den ersten paar Mal.
Notfalls, und wenn Du eine lichtstarke Kamera hast, geht's auch mit kleinen Akkuleuchten erschreckend gut. Die ersten grösseren Nachtszenen haben wir damals mit Autoscheinwerfern (ab Autobatterie) und LED Taschenlampen beleuchtet.
Das ist der Input, den ich Dir so auf die Schnelle aus meiner Sicht geben kann. Hoffe halbwegs verständlich.
-- Volker

#1
14.05.12
19:28
WaediWOOD
WaediWOOD

Als Sparmaßnahme erst mal eine Buchempfehlung
Achim Duncker: "Die chinesische Sonne scheint immer von unten"
(www.amazon.de/chinesische-Sonne-scheint- immer-unten/dp/3867641110/ref=sr... 2286&sr=1-1)

WaediWOOD hat das wesentliche schon geschrieben.

Ich möchte meine Bedenken gegen Baustrahler und Selbstbauten anbringen. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass "richtiges" Equipment auf lange Sicht günstiger ist. Man kauft ansonsten nämlich alles doppelt und hat mit den Sparmaßnahmen meist viel Frust. Nicht paßt zusammen und oft gibt es keine praktikable Lösung die günstigen Leuchten sicher und bequem zu befestigen.

Gerade beim Thema Licht sollte man zu allererst ein Gripkiste packen

1 Alukoffer für Grip mit Beschriftung
x Holzwäscheklammern
x Paar Arbeitshandschuhe
x Rollen Gripband
x Expanderschnüre
x kleine Zurrgurte
x Klett-Kabelbinder
x Verlängerungskabel (für draußen)
x Verteilersteckdosen (für draußen)
3 Manfrotto Superclamp 035 je Stück ca. 20 Euro
2 Avenger D200B Grip Head 2,5" je Stück ca. 30 Euro
1 Softbox 60x90cm ca. 60 Euro
x Leuchtenstativ Manfrotto 1052BAC je Stück ca. 70 Euro
x 16 mm Zapfen in unterschiedlicher Ausführung je Stück ca. 5 Euro

Auch mit einem schmalen Geldbeutel sollte man sich das antun, weil es das Arbeiten wirklich erleichtert.

#2
19.05.12
19:10
opcode
opcode

Aus Erfahrung kann ich sagen, dass "richtiges" Equipment auf lange Sicht günstiger ist. Man kauft ansonsten nämlich alles doppelt und hat mit den Sparmaßnahmen meist viel Frust.

Second that. Leihen ist auch eine Alternative, wenn man noch nicht so richtig weiß.

#3
16.05.12
09:27
Futz
Futz

»Dreiklang«

Nachtaufnahmen lassen sich am einfachsten aus einer Kombination von drei unterschiedlichen Szenarien gestalten.

1. Aufnahmen zur Blauen Stunde. Der Himmel hat noch ein bisschen Zeichnung und der Vordergrund strahlt in überwiegend künstlicher Beleuchtung.
2. Day for night. Tages-Aufnahmen drei Blenden unterbelichten und blau färben. Ob Sonne oder Bedeckt ist meistens egal, es funktioniert ganz gut.
3. Nah- und Großaufnahmen ein bisschen härter und »dreckiger« beleuchten mit größeren Dunkelanteilen. Ein guter und aktueller Anschauungsfilm ist »no country for old men«. Besonders die erste Verfolg wo sich der Drogenfinder in den Fluss retten kann. Hier ist der komplette Sonnenaufgang, von tiefster Nacht bis zum hellen Tag in 1-2 Minuten verdichtet. Das zeigt wenn die Action fett genug ist, kann man sich beim Licht fast alles erlauben. Viel Spaß beim Studium des Licht im Film.

Achim Dunker

PS. Bei www.netlektionen.de kann man Lichtgestaltung studieren. Am 23.5. um 20 Uhr halte ich ein kostenlosen Schnupperwebinar. Anmeldung unter www.netlektionen.de

#4
16.05.12
11:20
Skipper Atze
Skipper Atze

Sorry, für den falsch geschriebenen Autorennamen.

Und ganz wichtig, einfach mal die Vorschläge einfach ausprobieren, damit man ein Gefühl dafür bekommt.

#5
16.05.12
13:32
opcode
opcode

Noch als kleine Ergänzung zu OpCodes Gripkoffer:
Ganz wichtig bei Licht ist - wie aus seiner Liste schon indirekt hervorgeht - die Sicherheit. Grade grosse Scheinwerfer sind potentiell "glühend heisse Mordwerkzeuge". ZB wenn ein grosses Leuchtenstativ mit einem mehrere-kW-Scheinwerfer umkippt... Sobald Du also nicht festen horizontalen Boden hast (aber selbst dann), ist es essenziell, Stative zu sichern; je höher sie sind desto mehr. Dabei helfen die erwähnten Spanngurte, aber auch Seile oder Sandsäcke, die sich auch in Deiner Gripkiste finden sollten. Ebenso wichtig ist es, die Kabel so zu verlegen, dass niemand drüber stolpern und so Deine Leuchtenbauten zum Einsturz bringen kann.

So nebenbei: Wenn Du nachts drehst und nicht alles immer in sauber geordneten Kisten hast, wirkt ein weisses Tuch am Boden Wunder. Dort drauf legst Du *alles* was nicht einen anderen fixen Platz hat. Das weisse Tuch findest Du auch noch wenn alle Scheinwerfer abgebaut sind mit der Taschenlampe oder oft sogar ohne. Und Du bist sicher, dass alles, was rumliegen könnte, darauf rumliegt.

Und ja, wenn's geht wirst Du mit "richtigem" Material glücklicher. Mieten ist eine gute Alternative, wenn Du einen geeigneten Verleih in der Nähe hast. Aber wenn Du Dir zZt weder was "richtiges" leisten noch praktikabel mieten kannst, ist eine eher improvisierte Beleuchtung immernoch deutlich besser als viel zu dunkle verrauschte Bilder ohne. Wichtig ist va auch, dass Du Dir bewusst bist, was bei DIY nicht oder nicht gut geht.

Ein anderer wichtiger Punkt, der aber nicht nur für Nachtszenen gilt: Beleuchten ist nicht (nur) gleich "hellmachen"! Klar geht es darum, alles Wesentliche auf die richtige Helligkeit zu bringen. Aber eine Szene wirkt massiv besser, wenn mit dem Licht gestaltet wird, also zB weniger wichtiges eben dunkler ist, oder sogar ganz in der Dunkelheit versinkt.

Und wie überall beim Film gilt: Übung macht den Meister. Je mehr Nachtszenen Du beleuchtest und drehst, desto besser kriegst Du in den Griff, was für Dich funktioniert, für Dich am besten wirkt , und wie Du am schnellsten zum Ziel kommst.

Viel Spass & Erfolg!
-- Volker

#6
17.05.12
10:26
WaediWOOD
WaediWOOD

hi..
man kann sich an den spruch halten:
Entweder richtig leuchten ... oder gar nicht.

mit zuwenig oder falschem licht sieht es immer künstlich und billig aus.
versuche es lieber mit lichtsärkeren optiken und einer höheren asa empfindlichkeit...

selbst wenn es dann rauscht , kommt das besser als aalglatt und schlecht geleuchtet...
all the best

#7
02.07.12
12:24
Boomer
Boomer
 
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