filmakademie

earendil

earendil

32 Beiträge seit Jan'02

Forum-Beitrag von earendil am 10.01.2002
 ...
Keines

steffen, du studierst doch in ludwigsburg - vielleicht kannst du etwas ueber den verlauf deiner bewerbung erzaehlen - ich selbst spiele mit dem gedanken eine bewerbung dort zu versuchen und andere wuerde es vielleicht auch interessieren was du dazu schreibst - auf der offiziellen seite steht doch recht wenig darueber wie der genaue ablauf von statten geht

Antworten

RE filmakademie

ja, da steht wirklich nicht so viel DARÜBER... wie auch sonst nicht viel drauf steht. )

okay .. alles was ich sage, trifft NUR für Film&Medien zu, die Sounddesigner/Musiker haben's nochmal etwas anders, ich würde sagen noch schwerer. )

Es gibt zwei Bewerbungs-Runden, wovon die zweite die "berühmte" 48-Stunden-Aufgabe ist. In der ersten schickst Du Deine Bewerbungunterlagen an die Aka
(Abizeugnis, Praktikumsbestätigung, Deine Bewerbungsarbeit und den Lebenslauf mit einer
kurzen persönlichen Stellungnahme im Anschreiben, was das Filmstudium und Deine Absichten angeht.

Bei mir was eben "Annas Schneemann" mitsamt aller Unterlagen - okay, fast aller das Abizeugnis hatte ich total vergessen, nachdem AnnasSM im April erst eine Nacht vor Bewerbungsschluß fertig wurde. War aber nicht so schlimm, die gute Frau Puschmann aus dem Sekretariat hakt dann einfach nach ...

Mein Zahlen, wieviele sich bewerben, stimmen nicht mehr, da es seit diesem Semester viel mehr Studiengänge gibt und viel mehr Studenten zugelassen wurden - auf jeden Fall sind es viele, wirklich viele!

Glücklicherweise läßt sich nicht voraussagen, welche Arbeit am besten ankommt, und welche nicht. Wir haben hier auf der Seite für Regie zwei perfekte unterschiedliche Vertreter Zum einen "Photoshooting" vom Ben Grafenstein und zum anderen "Original mit Untertitel" vom Joscha Douma - beide in meinem Jahrgang, beide Regisseure. Unterschiedlicher könnten die Arbeiten aber nicht sein. In der digitalen Abteilung ist es ebenso Mit einem sehr guten Demo-Reel der Firma, bei der Du gearbeitet hast (SZM, das Werk oder kleinere Firmen aus der Umgebung) kannst Du genauso punkten, wie mit einem kleinen vollanimierten Film (im Stil und in der Qualität von "Turm der Kerzen" zum Beispiel) oder mit einem szenischen Werk mit Computergrafik (Annas Schneemann). Wobei mir der Schneemann fast zum Verhängnis wurde - dazu später mehr.

Von den sehr vielen Bewerbern werden nun 1xx zur 2. Runde eingeladen.

Evtl. ist das mittlerweile etwas anders, aber bei mir war es nach einer Ansprache so, das die Aufgaben verteilt wurden (1 von 4 musste bearbeitet werden) und man dann den Termin zu seinem Einzelgespräch an diesem Tag erfuhr.
Und da geht's dann hin, in Deine spätere Abteilung. Die Zeit (48h) für die Aufgabe läuft zu diesem Zeitpunkt schon, und wer spät dran ist (ich so 14 Uhr und ich wollte doch heim, weil da schon die Rechner hochgefahren bereitstanden), war etwas benachteiligt. Mittlerweile aber nicht mehr, weil die Zeit auf 72 Stunden (glaube ich) erweitert wurde, bevor nochmal ein Verkehrsunfall passiert, bei über hundert völlig übermüdeten Personen.

Zum Gespräch Das ist (zu recht) kein Zuckerschlecken. Denn wer sein Selbstvertrauen gleich zusammenkratzen muss, wenn eine Frage kommt, auf die man nicht vorbereitet ist, oder man nach Allgemeinwissen und der Weltpolitik gefragt wird, der wird es auf der AKA und in diesem Berufszweig schwer haben. Ich will keine AKA-Internas ausplaudern, Mediziner haben genauso Psychostreß und bei uns macht's wenigstens noch Spaß! *g* .. aber zurück

Also das Gespräch ist nicht leicht, nicht schwer, wichtig ist einfach, daß Du Du selbst bleibst und nach Möglichkeit nicht abschaltest, wenn eine "dumme" Frage kam. Bei mir lief dieses Gespräch nicht sonderlich gut, da ich auf die Fragen nicht wirklich viel wußte und kleine Provokationen nicht erkannte und deshalb auch nicht rhetorisch kontern konnte. Aber kurz vor meinem Gespräch ist mir an der Treppe eine junge Dame (sah nach Regie aus) schluchzend beinahe in die Arme gefallen ... es kann also NOCH schlechter laufen ... -)

sorry für die Ausschweifungen
Also angenommen, Du bist immer noch der festen Überzeugung, daß dies hier der richtige Ort ist zum Filmemachen (und das ist er wahrlich!), gehst Du nun heim, aufs Hotelzimmer, in ein Café mit Deinem Notebook oder als Regisseur zurück zu Deinem Filmteam (wo immer das auch ist) und beginnst, das Drehbuch umzusetzen, das Dir hoffentlich recht schnell zu der Aufgabe einfällt. Wichtig ist, hier keine Zeit zu verlieren, gerade bei den Regisseuren, die auf viele andere angewiesen sind, es sollte alles klappen und alle (samt Laien-Schauspieler für jede erdenkliche Rolle) sollten schon in den Startlöchern stehen.

Ich bin dann noch in Stuttgart in der U-Bahn vorbeigefahren, um Töne und Bilder mit der Cam für "In der Tasche" aufzunehmen und bin dann nach Hause gefahren worden (!), stand zwei Tage später (war sogar 2h früher fertig, die konnte ich dann aber auch nicht mehr pennen) wieder auf der Matte, um in all die anderen fertigen Gesichter zu gucken. das Schöne ist, dass man von all denen, die genommen wurden, in regelmäßigen Semesterabständen genau die gleichen Gesichter sieht, vor der Präsentation im Kino, nach langen durcharbeiteten Nächten, und sich diese Gesichter erst aufhellen, wenn alles ohne Technik-Probleme gelaufen ist und sich die Leute nach gelungenen Filmen in den Armen liegen ... )

Wichtig ist hier, dass VHS-TAPES abgegeben werden müssen. Zwei Burschis wollten nicht hören und haben ihre Notebooks in den Sammelbehälter geworfen. So geht's nicht, ich glaube nicht, daß deren Arbeit überhaupt angeguckt wurde. Nun hat man in den folgenden drei Tagen bis Ende der Woche die Präsentation seines Filmes (Termin hängt aus), man sitzt vor einer Prüfungskommission (von jeder Abteilung jemand) und die sehen den Film zum ersten Mal (man kann dabei gleich schön auf Reaktionen achten) und fragen einen dann dazu etwas und wollen u.U. noch etwas persönliches wissen.
Das war bei mir eigentlich ein nettes Gespräch, weil die Leute freundlich sind (nur man selber ist halt so aufgeregt) und ich damals rhetorisch deutlich besser drauf war, um meine Intention zu verteidigen.

"Annas Schneemann" ist nämlich so regielastig, dass vermutet wurde, dass ich später einfach so ins Regie-Fach wechseln will - zu Recht werden solche Hüpfereien nicht gerne gesehen, weil die Ausbildung ein Mordsgeld kostet und die Leute gefälligst auch in ihrem Fach arbeiten sollen, in dem sie gut sind. Regieführen hat mir Spaß gemacht und macht es auch immer noch, aber ich würde mich nie ansatzweise mit meinen Regie-Kommilitonen messen wollen, außerdem bleibt für meinen Job immer noch der SpecialFX-Supervisor, der auch am Set dabei ist. Das hat die Kommission befriedigt und wir haben uns ein schönes Wochenende gewünscht.

Was als nächstes GANZ schlecht ist Die Nerven verlieren und in den Urlaub fahren. Man muss nämlich den Brief, wenn man genommen wurde (so ca. nach 4 Wochen glaube ich) beantworten, dass man den Platz annimmt. Eine Kommilitonin war aber weggefahren und der Brief verschimmelte im Briefkasten. Allerdings erinnerte sich einer meiner Kommilitonen noch an sie, da sie aus der gleichen Stadt kam, frage im AKA-Sekretariat nach Nachnamen und Telefonnummer und veranlaßte bei ihr zuhause sofort, daß der Brief geöffnet und zurückegschickt wird, nachdem er erfuhr, dass sie weg war. Knapp, aber glücklich. Sind Happy Ends nicht schön? )

Insgesamt sind Dinge wie Praktika, Berufserfahrung etc. ganz wichtig, weil die Anforderungen an einen so schnell steigen (und man WIRD ins kalte Wasser geworfen mit den Drehs), daß man ohne ein klein wenig Ahnung von Filmemachen und der fehlenden Überzeugung, dass man dies wirklich will, schnell das Handtuch werfen würde. Da man damit jemand anderes den Platz weggenommen hätte, ist das Auswahlverfahren meiner Meinung nach gut und wirksam, es läuft wirklich keiner rum, der nur etwas Film spielen will, sondern es packt am Set jeder mit an und hilft Dir, wo es geht, was Deine Erfahrungen meistens mehr bereichern, als der Unterricht.

Natürlich war ich nie an anderen Filmhochschulen eingeschrieben, habe aber nur von Schauspielern gehört, daß bei uns am Set und bei der Präsentation ein so herzliches, familiäres, positives Aufbruchsstimmungs-Klima herrschen würde, wie an keiner anderen studentischen Einrichtung.

Was ist sonst noch zu sagen ...?

Hier wird ebenso wie überall nur mit Wasser gekocht und Du verlierst die Ehrfurcht vor allen großen Namen (die laufen Dir hier halt oftmals unvermittelt über den Weg oder essen ihr Mittagessen im Blauen Engel neben Dir), Technik und der Filmakademie an sich ganz schnell.

Das ist rückblickend ganz witzig, aber gut so, weil man schließlich nicht zum Träumen und Beweihräuchern hier ist, sondern, um zu arbeiten. Und zu lernen, wie man "da draußen" arbeitet. Und vielleicht, wie man da draußen arbeiten SOLLTE, damit der deutsche Filme denen unser europäischen Nachbarn irgendwann in nichts mehr nachsteht.

Gruß,

Steffen

#
10.01.02
14:20
Steffen
Steffen

2. RE filmakademie

Dat war ja mal ne richtige Rede;-)
Ziemlich interessant, find ich! Mich würde allerdings interessieren, was du vor dem Studium gemacht hast. (Du meintest irgendwas von Berufserfahrung und Praktika...)

#
10.01.02
15:29
Gast
Gast (nicht überprüft)

3. RE filmakademie

Oh! Hab grad in nem anderen posting gelesen, dass du in der IT-Branche gearbeitet hast. ..aber was genau haste denn gemacht? Ne Ausbildung?

#
10.01.02
15:47
Gast
Gast (nicht überprüft)

4. RE filmakademie

nein, ich hab' neben der Schule und dem Zivildienst bei einem großen Internetdienstleister gearbeitet. Nachmittags, abends, nachts, am Wochenende. In der Technikabteilung für Videoserver und als eigene Videoabteilung. )

#
10.01.02
16:59
Steffen
Steffen

5. RE filmakademie

Was dir wiederum auch fast das Genick gebrochen hätte "Herr Hacker, Warum bleiben sie denn nicht in der IT Branche und werden Netzwerk Admin, damit lässt sich doch viel mehr Geld verdienen als in der Filmbranche!!!"

#
10.01.02
17:11
Ilija
Ilija

6. RE filmakademie

*g* -- das war einfach eine gut platzierte Fangfrage, auf die ich in der einem verbleibenden Zeit von ... vier Sekunden keine passende Antwort gefunden habe ... aber wie gesagt Man hat ja zwei Chancen, um seine Schlagfertigkeit unter Beweis zu stellen - und außerdem rennen hier ja nicht nur kleine Rhetoriker, sondern auch ziemliche Guschtis rum, die kaum ein Wort rauskriegen! )

#
10.01.02
19:06
Steffen
Steffen

7. RE filmakademie

hey danke das du so viel geschrieben hast - stehen echt sehr hilfreiche sachen drin
(auch die ausschweifungen fand ich interessant ;-))

eine sache wuerde mich noch interessieren - weisst du es vielleicht oder hast eine email oder tel nummer wo ich es erfragen koennte
eigentlich studiere ich gerade medieninformatik und hatte davor 1 jahr lang ein praktikum im it bereiche gemacht - beim wechsel haette ich dann zwei semester mi studiert - die frage ist jetzt ob die filmakademie es jetzt so streng sieht das ich trotzdem vorher noch ein jahr medienpraktikum machen muesste

und wo und wie hast du dieses praktikum gemacht?

#
11.01.02
08:55
earendil
earendil

8. RE filmakademie

es war wie gesagt kein Praktikum, ich habe da einfach mit sehr flexiblen und nicht ganz alltäglichen Arbeitszeiten gearbeitet und bin auch "normal" entlohnt worden - drei Jahre lang würde wohl keiner unter Praktikumsbedingungen arbeiten wollen. -) Die Firma heißt GFT - www.gft.com

In Deinem Fall kommt es jetzt wahrscheinlich drauf an, was Du damals im Praktikum gemacht hast. Quereinsteiger von künstlerischer oder geisteswissenschaftlicher Seite haben es sicher einfacher als die Informatiker, die können sich am ehesten noch für Media Design entscheiden. Aber das entscheidet natürlich auch Dein Demo Reel oder Dein FIlm ...

die AKA hat übrigens gerade eine Broschüre ("ein illustrierter Leitfaden") rausgegeben, die beste Öffentlichkeitsarbeit, die es hier je gab. Geiles Layout, guter Inhalt, weiss aber nicht, ob man sie bestellen kann, oder ob man sie persönlich abholen muss. Also einfach mal vorbeischauen und im Studentensekretariat oder am Empfang danach fragen.

Gruß,
Steffen

#
11.01.02
12:13
Steffen
Steffen

9. RE filmakademie

Tja! Schade.. Wohn in Köln! ;-)
(Hiermit ein Gruß an alle Kölner ;-)

Malte

#
11.01.02
19:13
Gast
Gast (nicht überprüft)

9. RE filmakademie

Hey,

Könntest du vielleicht noch erläutern, was es an dem Schneemann auszusetzten gab. D.h. wiso er dir fast zum Verhängniss wurde. Das könnte ich ja dann in meiner eigenen Bewerbung evtl. berücksichtigen ).

Thx

Alexander

#
10.01.04
10:21
Gast
Gast (nicht überprüft)

10. RE filmakademie

würd mich auch stark interessieren.

#
10.01.04
13:28
Christoph Gunter
Christoph Gunter

11. RE filmakademie

Ein wenig spät dran, nich? Ich denke, das Verhängnis war die Regie-Lastigkeit von Annas Schneemann.

#
11.01.04
10:11
Gast
Gast (nicht überprüft)

12. RE filmakademie

wie ein wenig spät? schreiben wir nicht den 11.01.2003?! lol ne im ernst, warum sollte man nicht alte gute diskussionen wieder aus der versenkung holen? klar wenn jeder wieder einen thread von 2002 holen würde wärs n bisle doof, aber dafür gibts ja wieder die neuen diskussion oder nich?!

gruß, chris

#
11.01.04
13:20
Christoph Gunter
Christoph Gunter

13. RE filmakademie

JO mich hat halt interresiert ob da vielleicht was direkt am Schneemann auszusetzten war. Und leider konnt ich net direkt vor 2 Jahren Fragen, weil ich erst seit ein paar wochen überhaubt hier bin.

Also...wiso nicht ?! )

greez Alexander

#
11.01.04
17:30
Gast
Gast (nicht überprüft)

14. RE filmakademie

Äh, stimmt schon, die Regielastigkeit war's!

#
11.01.04
19:59
Steffen
Steffen
 
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